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Heute, 01.35 - 03.33 Uhr | Das Erste

Paradies: Liebe

Teil 1 der Trilogie von Ulrich Seidl
KinoFestival im Ersten

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Die 50-jährige Teresa reist als Sextouristin nach Kenia. Während ihre Tochter in einem Camp für übergewichtige Jugendliche ihre Pfunde bekämpft, verbringt sie die Sommerferien in einem Ferienresort, in dem sich Europäerinnen schwarze Boys nehmen.

"Paradies: Liebe" ist der erste Film der Paradies-Trilogie von Ulrich Seidl. In dokumentarischer Manier werden anhand von drei Frauenfiguren universelle Sehnsüchte nach Liebe, Schönheit und Anerkennung beleuchtet. "Paradies: Liebe" thematisiert dabei postkoloniale und rassistische Positionen, die in Teresas emanzipierter Figur mitschwingen.

Teresa möchte im Urlaub eine Auszeit von ihrem Leben als alleinerziehende Mutter. Eine Ferienanlage in Kenia hat sie nicht nur wegen Strand und Sonne ausgesucht. Diese ist ein Anlaufpunkt für österreichische Frauen um die 50, für die das Sexualleben zu Hause weitgehend passé ist. Von ihrer erfahrenen Freundin Inge erfährt Teresa, dass hierzulande "Sugarmamas" getrost ihre Komplexe wegen ihres Alters oder ihrer Problemzonen abstreifen und ungeniert Abenteuer mit den "Beachboys" genießen können.

So einfach mit einem von ihnen ins Bett zu gehen, das schafft Teresa nicht auf Anhieb. Als sie den zurückhaltenden Munga kennenlernt, ist es jedoch anders: Bei ihm fühlt sie sich schön und begehrt. Geschickt lässt er die Touristin glauben, dass es in Afrika eine besondere Form der Liebe gibt – ewig und ohne Altersgrenzen. Im Rausch der Gefühle vergisst Teresa sogar den Geburtstag ihrer pubertierenden Tochter, mit der sie über die Mailbox kommuniziert.

Das Glück währt leider nicht lange, denn Munga beginnt – wie alle anderen – nach Geld zu fragen: für seine angebliche Schwester und ihr Baby, die Schule im Ort und schließlich den kranken Vater. Natürlich weiß Teresa, was los ist. Und zieht ihre Lehren: Zutiefst verletzt, hat sie keine Hemmungen mehr, sich Männer einfach zu nehmen. Schon bald beginnt Teresa, Grenzen zu überschreiten. "Paradies: Liebe" bildet den Auftakt zu Ulrich Seidls Trilogie, die von Ödön von Horváths Drama "Glaube Liebe Hoffnung" sowie dem Paulusbrief inspiriert ist. Erzählt werden Geschichten von drei Frauen und ihren unerfüllten Sehnsüchten. Margarethe Tiesel spielt im ersten Film schonungslos eine 50-jährige Alleinerziehende, die sich als Sextouristin in eine Scheinwelt begibt und dort die Lust an der Macht entdeckt.

Mit makellosen, perfekt komponierten Bildern erzählt die Tragikomödie eine bitterböse Geschichte. Die Verbindung aus schwarzem Humor, beißendem Sarkasmus und abgrundtiefer Traurigkeit weisen den Film als ebenso meisterhaftes wie umstrittenes Kunstwerk aus. "Paradies: Liebe" feierte 2012 seine Premiere beim Filmfestival in Cannes.

Teresa (Margarete Tiesel)
Inge (Inge Maux)
Munga (Peter Kazungu)
Salama (Carlos Mkutano)
Beachboys (Gabriel Mwarua)
Teresa (Margarethe Tiesel)
Melanie (Melanie Lenz)
2. Touristin (Helen Brugat)
1. Touristin (Dunja Sowinetz)
Anna Maria (Maria Hofstätter)