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Streit um muslimische Religionslehre

Vorerst kein Islamunterricht an NRW-Schulen

Von Rita Jäger

Wichtiges Thema bei der dritten Deutschen Islamkonferenz am Donnerstag (13.03.08) in Berlin war die Einführung des Religionsunterrichtes für Muslime an deutschen Schulen. Das NRW-Schulministerium sieht die Grundlagen dafür jedoch noch nicht erfüllt. Auch die muslimischen Verbände sind skeptisch.

Schülerin mit Kopftuch; Rechte:  dpa

Bessere Organisation für Islamunterricht nötig?

An öffentlichen Schulen soll islamischer Religionsunterricht in deutscher Sprache angeboten werden. Darauf hat sich die Islamkonferenz in Berlin am Donnerstag (13.03.08) geeinigt. Doch in der aktuellen Debatte bleiben wichtige Fragen ungeklärt. Denn für einen breit gefächerten Islamunterricht fehlen bislang gesetzliche Grundvoraussetzungen. So gibt es laut NRW-Schulministerium keine Anerkennung der in Deutschland lebenden Muslime als Religionsgemeinschaft.

"Wir würden uns freuen, wenn sich die muslimischen Verbände endlich so organisieren würden, dass sie als Religionsgemeinschaft anerkannt werden können", sagt Ulla Ohlms vom NRW-Schulministerium. Dann stünde auch der Einführung des islamischen Religionsunterrichtes nichts mehr im Wege.

Ministerium: Voraussetzungen fehlen

"Um jedoch als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt zu werden, müssen einige Bedingungen erfüllt sein", erklärt Ohlms. So müsse der Verein in seiner Satzung als Hauptziel die Religionsausübung festlegen. Zudem müssten die Ziele des Vereins verfassungsrechtlich unbedenklich sein. Dazu gehöre beispielsweise die Gleichberechtigung von Frauen und Männern und die interreligiöse Toleranz. Zudem seien freie Wahlen und Mitgliederlisten unabdingbar. Das alles werde dann - wie im Fall der alevitischen Gemeinschaften geschehen - von Rechtsgutachtern geprüft.

"Es ist nicht realistisch, dass sich die unterschiedlichen islamischen Verbände einigen", sagt dagegen Kenan Kolat. Der 47-Jährige ist Vorsitzender des Verbands der "Türkischen Gemeinden Deutschland" und Mitglied der Islamkonferenz: "Der Islam ist eine vielfältige Religion, deren diverse Strömungen von unterschiedlichen Glaubensansätzen ausgehen - ähnlich wie auch bei der katholischen und evangelischen Kirche. Es kann nicht verlangt werden, dass die Muslime diese Vielfalt aufgeben."

"Wenn es muslimische Religionsgemeinschaften geben wird, dann mindestens acht oder neun verschiedene", erklärt Kolat. "Ob das allerdings dann den gewünschten Erfolg bringt, ist fraglich. Ich befürchte, dass es zu Stigmatisierungen und mehr Unfrieden kommen könnte."

Mehrheit der Türken will Islamkunde

Das NRW-Schulministerium möchte die positiven Erfahrungen mit dem Islamkunde-Unterricht im Land ausweiten. Derzeit wird im Rahmen eines Modellversuches an rund 130 Schulen in NRW Islamkunde unterrichtet. Es seien bislang wenig Bemühungen von Seiten der muslimischen Verbände zu erkennen, die formalen Bedingungen erfüllen zu wollen, so Ulla Ohlms, um nicht nur Islamkunde, sondern den Islamunterricht zu etablieren. Für letzteren muss die Religionsgemeinschaft gebildet sein.

Der Verband der Türkischen Gemeinden möchte bundesweit islamkundlichen Unterricht umsetzen. "Die Mehrheit der Türken in Deutschland würde diese Möglichkeit bevorzugen", sagt Kolat. Darin sollten alle Glaubensrichtungen des Islam und auch anderer Religionen behandelt werden. Auch das sei auf der Islamkonferenz diskutiert worden. Allerdings würde die Option Islamkunde unter anderem vom Zentralrat der Muslime in Deutschland und vom Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland vehement abgelehnt.

Auch kommunale Religionsgemeinschaften sind möglich

"Eine weitere Möglichkeit gibt es im kommunalen Bereich", erklärt Ulla Ohlms. So könnten sich etwa die Moschee-Vereine einer Stadt unabhängig von ihren unterschiedlichen Dachverbänden zu einem Verein zusammenschließen. Dann könnte theoretisch dieser Verein als örtliche Religionsgemeinschaft anerkannt werden und das Land könnte in dieser Stadt den Islamunterricht einführen. Dafür könnten einzelne Schulen ausgewählt werden, an denen bereits in Deutschland ausgebildete Lehrer muslimischen Glaubens unterrichten. Verbandsvertreter Kenan Kolat glaubt hingegen, dass auch kommunal nicht damit zu rechnen sei, dass sich die diversen Moscheen auf eine Glaubensrichtung einigten.

Wer bestimmt die Inhalte des Unterrichts

Schülerin mit Kopftuch an der Tafel; Rechte:  dpa

Andere Religionen würden zum Unterrichtsinhalt gehören

Träger eines islamischen Religionsunterrichtes ist in jedem Fall das Schulministerium, so Ulla Ohlms. Dort legt man die Lehrpläne fest. "An deren Planung wären die jeweiligen Ansprechpartnern der Organisationen zwar beteiligt, das letzte Wort hat aber immer das Land." Wie in jedem anderen Religionsunterricht werde der Lehrplan die sachliche Auseinandersetzung mit dem muslimischen Glauben - jenseits politischer Bewertungen - beinhalten. Auch andere Religionen wären in einem regelmäßigen Islamunterricht Schulthema.

"In diesem Fall vertritt mein Verband eine gegensätzliche Ansicht", erklärt Kolat. Seiner Ansicht nach könne nach dem Grundgesetz jede Religionsgemeinschaft die Inhalte des konfessionsgebundenen Unterrichtes selbst festlegen.

Diskussion nicht ausgereift

Klasse; Rechte:  dpa

Eine Lösung wird noch Jahre in Anspruch nehmen?

"Die anlässlich der Islamkonferenz abgegeben politischen Erklärungen hinsichtlich der Einführung eines bundesweiten Islamunterrichts reichen für eine Realisierung nicht aus", so Ulla Ohlms. Und auch Kenat Kolat glaubt, dass es noch Jahre dauern wird, bis es eine von allen Seiten akzeptierte Lösung geben wird: "Wir müssen den konservativen muslimischen Verbänden Zeit geben, sich ohne zu starken Druck von außen zu verändern." In jedem Fall sei die Diskussion über die unterschiedlichen Standpunkte richtig und müsse unbedingt fortgeführt werden.


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