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700 Schüler mit Migrationshintergrund nehmen an Kursen teil

Deutsch lernen in Ferien-Sprachcamps

Von Irina Fernandes

Während viele nordrhein-westfälische Schüler in den Herbstferien eine Pause vom Lernen einlegen, verbringen derzeit rund 700 Jungen und Mädchen mit Migrationshintergrund ihre Freizeit in Sprachcamps, um Deutsch zu lernen. Das sind wesentlich mehr Teilnehmer als je zuvor.

Kind füttert Schaf, Rechte: WDR/Fernandes

Schafe werden gestreichelt - nicht "gestrichen"

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Aus Omer sprudelt es nur so hervor: "Da waren ganz viele Schafe, die habe ich gestrichen." Aus 15 Kinderkehlen schallt ihm entgegen: "Gestreichelt!" Omer bleibt gelassen: "Stimmt, gestreichelt – und dann habe ich sie gefüttert." Lehramtsanwärterin Verena Pieper arbeitet als Sprachpädagogin in einem der Sprachcamps in Gelsenkirchen und hakt nach: "Welches Tier gibt es noch auf einem Bauernhof?" Hamsa meldet sich, sagt: "Der Pferd." Verena Pieper flüstert ihm zu: "Heißt das wirklich der Pferd?" "Nein, Quatsch, das Pferd", antwortet der Neunjährige.

Schlüssel zur Integration

Schüler am Tisch melden sich, im Hintergrund Lehrerin an Flipchart, Rechte: WDR/Fernandes

Im Sprachcamp Gelsenkirchen

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Hamsa und Omer sind zwei von 717 Kindern, die in den Herbstferien in insgesamt 16 Camps in NRW zwei Wochen lang Deutsch lernen. Die Sprachcamps für Kinder mit Migrationshintergrund werden immer beliebter, wie die Zahlen des Ministeriums für Generationen, Familie, Frauen und Integration belegen: Während 2004 erst 120 Schüler teilnahmen, sind es in diesem Jahr rund 1.000 – knapp 300 Grundschüler mit Migrationshintergrund kamen schon zu den fünf Camps in den Sommerferien.

Das Land hat seit 2004 das Fördervolumen erhöht. Vor vier Jahren finanzierte es die Sprachferien mit 80.000 Euro, in diesem Jahr mit 625.000 Euro. Kinder- und Jugendminister Armin Laschet hat die Arbeit der Sprachcamps gewürdigt: "Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Wer unsere gemeinsame Sprache Deutsch schon im Kindesalter lernt und gut beherrscht, hat es im späteren Leben leichter – in der Schule, bei der Ausbildungsplatzsuche, am Arbeitsplatz ebenso wie im sozialen Leben."

Für die Sprache sensibilisieren

Plakat mit Aufschrift "Sprachcamp 2008", Rechte: WDR/Fernandes

"Lieber ins Camp als zuhause rumsitzen"

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Das weiß auch schon der neunjährige Hamsa. Deshalb sagt der Drittklässler mit libanesischen Wurzeln ganz ernsthaft: "Ich will später mal eine Arbeit finden und dazu muss ich gut Deutsch können." Sinan sieht hingegen die kurzfristigen Vorteile: "Das ist hier viel cooler als in den Ferien zuhause rumzusitzen", meint der Achtjährige.

Die beiden gehören zu den 165 Drittklässlern, die derzeit an den drei Sprachcamps in Gelsenkirchen teilnehmen. "Die Kinder stoßen im Camp-Unterricht auf linguistische Strukturen, die sie in die Lage versetzen, ihr Sprachverhalten selbst zu korrigieren", erklärt Iris Schappert, Abteilungsleiterin im Gelsenkirchener Jugendamt für den Bereich Jugendhilfe und Schule. Die Grundschüler würden dadurch für die deutsche Sprache sensibilisiert, so Schappert.

Kein erhobener Zeigefinger

Plakat mit Aufschrift: Verben verändern sich, Beispielkonjugation mit den Wörtern springen und stehen, Rechte: WDR/Stadt Gelsenkirchen

Systematischer Sprachunterricht

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Das geschieht allerdings nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. In den Camps werden die Grundlagen und Finessen der deutschen Sprache auf spielerische Art und Weise vermittelt: In Gelsenkirchen sind morgens zwei Stunden systematischer Sprachunterricht angesagt, nachmittags dann zwei Stunden Projektarbeit – in einem Theater, einem Zirkus und auf einem Bauernhof. "Die Kinder merken bei dieser Projektarbeit nicht, dass sie das anwenden, was sie morgens gelernt haben", erklärt Iris Schappert, die die Gelsenkirchener Sprachcamps seit 2004 organisiert. Und Verena Pieper, die schon in den Vorjahren Unterricht im Sprachcamp abhielt, fügt hinzu: "Wir geben den Kindern Regeln an die Hand, die sie dann bewusst oder unbewusst anwenden können." Der Schwerpunkt liegt auf den Artikeln, dem Akkusativ, dem Imperativ und der Konjugation von Verben.

Buchstaben-Kekse als "Sprachfutter"

Drei Mädchen spielen vor einem bunten Zelt mit einem Hüpfseil, Rechte: WDR/Fernandes

Spielerische Mittagspause

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Neben der Sprachlehrerin betreuen jeweils zwei weitere Pädagogen die 16-köpfigen Gruppen, die einem abwechslungsreichen, aber strukturierten Tagesablauf folgen: Wenn die Drittklässler morgens mit Bussen zu ihren Camps gebracht werden, gibt es erst einmal Frühstück. Auf dem Gelsenkirchener Bauernhof – dem "Ziegenmichelhof" - gehen die 64 Kinder dann auf die weitläufige Pferdekoppel. Dort stehen vier große Pavillonzelte, in denen sie Unterricht haben. Und dort bekommen sie auch ihr "Sprachfutter" - in Form von Buchstaben-Keksen. Die Kinder greifen in eine Keks-Tüte: Wer ein A zieht, muss sich überlegen, welche Tiere mit A existieren. "Ameisen", ruft Eslem. "Affen", ertönt es aus einer anderen Ecke. Und selbst für das Y fällt einem Mädchen jemand ein – der "Yeti". Nach zwei Stunden ist Mittagspause. Nach dem gemeinsamen Essen laufen die Schüler wieder auf die Pferdekoppel, diesmal in ein buntes Zelt. Dort gibt es Kartenspiele, Plastiktennisschläger, Bälle und Hüpfseile.

Auf der Suche nach dem Igel

Kinder stehen vor einem Zaun und streicheln ein Schwein, Rechte: WDR/Fernandes

Streicheleinheiten für "Spikey"

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Danach beginnt die Projektphase, deren Motto "Der Igel ist los!" lautet. Jeden Tag hören die Grundschüler eine Geschichte über einen Igel, der auf dem Bauernhof nach Freunden sucht. Was er mit diesen Tieren erlebt oder träumt, können die Kinder auf dem Ziegenmichelhof nacherleben: Sie streicheln die vielen Schafe, stupsen "Spikey", das riesige Schwein, und gackern wie die Hühner. Außerdem stellen sie Seife her, färben Wolle, backen Brot. Am Samstag (11.10.08) ist der letzte Sprachcamp-Tag – dann stellen sie beim Abschlussfest ihre selbst gemachten Produkte und die Stationen ihrer Igel-Geschichte vor. Ihre intensiven Erfahrungen mit der deutschen Sprache jedoch – das haben die Gelsenkirchener Organisatoren und Lehrer in den vergangenen Jahren beobachtet – wenden die meisten der jungen Teilnehmer auch nach den Sprachcamps an.