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Erste-Hilfe-Maßnahmen gegen Prüfungsangst

Blackout am Tag X

Von Conny Frühauf

Tagelanges Lernen und dann: Man sitzt vor den Aufgaben, zittert, schwitzt und alles ist vergessen. Ein Horrorszenario – doch Wissenschaftler schätzen, dass jeder sechste Schüler davon betroffen ist. Aus der Lerntherapie gibt es etliche Strategien, die davor schützen: bei den anstehenden Abiturprüfungen, den Zentralen Prüfungen in Klasse 10 oder Klassenarbeiten.

Jede Klassenarbeit ein Horrortrip

Blackout bei der Klassenarbeit ; Rechte: wdr/dpa

Blackout bei der Klassenarbeit

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Schon am Abend vorher quält die 13-jährige Marie die Angst, wieder nur eine Fünf zu schreiben. Vor allem in den Hauptfächern. Am nächsten Morgen dann - dem Tag der Klassenarbeit - rast ihr Herz, der Kopf rauscht. Sie überfliegt die Aufgaben, Panik stellt sich ein und das Gefühl, keine Luft zu bekommen, nichts mehr zu wissen. Sie beobachtet die anderen Mitschüler, kann sich nicht konzentrieren. Die Mutter wird enttäuscht sein, sie haben doch so viel zusammen geübt. Was nun?

Wie Marie geht es vielen Schulkindern. Prüfungsangst untergräbt das Selbstwertgefühl, eine schlechte Note folgt auf die nächste. Der Leidensdruck steigt mit jeder weiteren Arbeit – ein Teufelskreis aus Versagensangst und Misserfolgen. Das hinterlässt oft lebenslange Spuren.

Den Ursachen auf den Grund gehen

Schüler brauchen Prüfungsstrategien ; Rechte: wdr/dpa

Schüler brauchen Prüfungsstrategien

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Eltern und Lehrer sollten die Betroffenen darin unterstützen, ihre Prüfungsängste genauer unter die Lupe zu nehmen. „Viele Kinder, vor allem jüngere, denken, sie seien mit diesem Problem alleine. Da hilft es zu wissen, dass selbst Erwachsene noch unter solchen Ängsten leiden können“, weiß die Bonner Lerntherapeutin Ursula Subroweit. „Wichtig ist, den Kindern Strategien zu vermitteln, wie sie gegen ein Übermaß an Angst vorgehen können und da selbständig rauskommen.“ Eine gewisse Portion Lampenfieber und Nervosität gehören einfach dazu, sagen die Lernexperten und zitieren gerne den Schauspieler vor seinem wichtigen Auftritt. Denn das schärft die Sinne und spornt zu außergewöhnlicher Konzentration und Leistung an.

„Die Frage ist auch, ob die eigenen Ansprüche zu hoch sind. Oft spielen die Leistungserwartungen der Eltern eine wichtige Rolle. Ängste über den schulischen oder beruflichen Werdegang übertragen sich auch unbewusst auf die Kinder und üben Druck aus", weiß Ursula Subroweit aus langjähriger Erfahrung und rät Eltern, auch ihre Erwartungen, zum Beispiel unerfüllte eigene Wünsche, kritisch zu prüfen: „Viele denken bereits in der dritten Klasse an die vierte Klasse und die weiterführende Schule. Und sagen: Jetzt aber pauken! Die dahinterstehenden Ängste und Erwartungen spüren die Kinder sehr genau. Sie wollen etwas leisten, sie wollen die Eltern nicht enttäuschen und entwickeln daraufhin Schuldgefühle, die sich immer weiter hochschaukeln."

Gemeinsam gegen die Angst vorgehen

Lerntherapeutin Ursula Subroweit; Rechte: wdr/dpa

Lerntherapeutin Ursula Subroweit

Der erste Schritt ist, den Druck von Kindern zu nehmen und bei älteren Schülern zu überlegen, ob die Schulform ihren Möglichkeiten entspricht. „Eltern können verunsicherten Kindern wieder ihre eigenen Stärken vor Augen führen. Selbst wenn es die erhofften Noten nicht schafft: Stärken, die man hervorheben kann, gibt es immer“, betont Ursula Subroweit. Wichtig sei es, den Blick gemeinsam auf das zu richten, was gelungen ist. Auch wenn dann im Diktat wieder Fehler auftreten: „Es gibt bestimmt genügend Wörter, die diesmal richtig geschrieben sind.“ Die Sicht auf das Positive stärkt das Selbstwertgefühl und bestätigt den Erfolg nach der ganzen Anstrengung.
Gegen Motivationskiller wie „Das schaffe ich sowieso nie“ empfiehlt die Lerntherapeutin das innere Stopp-Schild auszufahren. Solche demotivierenden Selbsteinschätzungen sollten durch aufbauende Sätze wie "Ich habe jetzt Mut!" oder „Es ist schwierig, aber ich kann es schaffen!“ ersetzt werden. Auch von den Klassenkameraden sollten sich ängstliche Schüler kurz vor der Prüfung nicht verrückt machen lassen. Ein gutes Beispiel kann man sich an erfolgreichen Sportlern nehmen: Die bereiten sich mit Mentaltrainings optimal auf Wettkämpfe vor. Sie spielen in ihrer Phantasie das Szenario durch, auch mögliche Hürden, und überlegen Lösungsstrategien. Wichtig: eine realistische Selbsteinschätzung. Nicht von Note Fünf direkt auf eine Zwei kommen wollen, sondern in kleinen Schritten planen.

Gute Vorbereitung gibt Sicherheit

Kinder entspannen beim Schwimmen; Rechte: wdr/dpa

Kinder entspannen beim Schwimmen

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Ob mündliche oder schriftliche Prüfung: Eine wirksame Waffe gegen Angst ist der gut beherrschte Lernstoff. „Manchmal machen sich Schüler, vor allem ältere, da etwas vor und merken zu spät, dass sie nicht ausreichend vorbereitet sind. Deshalb sollten sie früh Lernstrategien erwerben und ausreichend Zeit investieren“, rät Ursula Subroweit. Einige Kinder, so die Lerntherapeutin, seien auch der Meinung, die anderen müssten nichts lernen. Denn über die eigene aktive Vorbereitung werde nicht gerne geredet. Pädagogen empfehlen bei Klassenarbeiten circa fünf Tage Vorlauf, bei umfangreichen Prüfungen mehrere Monate. Checklisten helfen, den Lernstoff in kleine Portionen aufzuteilen und Gelerntes abzuhaken. Im Buchhandel gibt es Lerntrainer, die Musterprüfungen und Übungen enthalten.

Auch eine ruhige, angenehme Arbeitsatmosphäre wirkt entspannend. "Gehirnnahrung" wie Bananen oder Nüsse fördern die Konzentrationsfähigkeit und sorgen zudem für gute Laune. Zu jeder Lernphase gehören unbedingt auch Pausen und kleine Belohnungen. „Als sinnvoll stellt sich immer wieder heraus, am Nachmittag vor der Arbeit noch einmal kurz den vorbereiteten Stoff zu wiederholen. Am Abend sollte nichts mehr gelernt werden. Stattdessen lieber etwas Entspannendes unternehmen, um herunterzukommen und Ängste in Schach zu halten“, rät Ursula Subroweit.

Den Ernstfall proben

Schüler beim Abitur; Rechte: wdr/dpa

Schüler beim Abitur

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Gerade mündliche Prüfungen lassen sich gut in Rollenspielen simulieren. Das geht mit Eltern, Geschwistern oder Klassenkameraden. Je öfter Schulkinder die Situation vorab im häuslichen Raum durchgespielt haben, umso mehr gewinnen sie an Sicherheit. Auch schriftliche Tests unter Ernstfallbedingungen klären rechtzeitig, wo es noch hakt. Entspannungsübungen wie Autogenes Training, eine kleine Massage oder Fantasiereise bringen die nötige Gelassenheit kurz vor dem wichtigen Tag. Auch kleine Tricks heben die Stimmung: Lieblingskleidung anziehen, an ein schönes Erlebnis denken, sich bisherige Erfolge klar vor Augen führen. "Am wichtigsten finde ich das offene Gespräch zwischen betroffenem Schüler, Eltern und Lehrern. Dabei sollte der Fokus darauf liegen, was sich schon positiv geändert hat. Auch kleinste Verbesserungen sollten wahrgenommen und eventuell auch belohnt werden. Die Schüler müssen sich mit ihren Ängsten ernst genommen und als Persönlichkeit anerkannt und geachtet fühlen. In der Prüfungssituation ist es hilfreich, Strategien im Kopf zu haben. Zum Beispiel sollten sich die Schüler zunächst die Aufgaben gründlich ansehen und fragen: Was kann ich schon? Das wird zuerst erledigt. So stellt sich ein sicheres Gefühl ein. Bloß nicht an schwierigen Aufgaben hängen bleiben", empfiehlt Ursula Subroweit. Gegen aufkommende Angst helfe zum Beispiel auch die Konzentration auf eine tiefe Bauchatmung. Geht es doch schief, hilft die Einstellung, dass es meist noch eine weitere Chance gibt. Bei Klassenarbeiten allemal, aber bei Prüfungen unter Umständen auch noch einmal mündlich.


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