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Projekt der städtischen Realschule Wipperfürth

Aktiv gegen Spielsucht

Von Marcus Schwandner

Computerspiele sind bei Schülern eine beliebte Freizeitbeschäftigung. In Maßen ist das in Ordnung - problematisch wird es dann, wenn es Jugendlichen offensichtlich schwerfällt, den PC wieder auszuschalten. Doch wann kann man wirklich von einer Spielsucht sprechen? Gemeinsam mit ihrer Lehrerin und zwei Betroffenen haben Wipperfürther Schüler gelernt, wie gefährlich eine solche Abhängigkeit sein kann.

Drei Schüler, 13 bis 15 Jahre alt, vor einem Computer

Marvin, Alberto, Felix: Nachmittags spielen wir im Internet

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Marvin spielt sehr gerne ein Fantasy-Rollenspiel. Dafür muss er sich nicht verkleiden, denn dieses Spiel läuft online im Internet. Er muss sich einloggen, seine Figur zum Leben erwecken und erlebt dann mit Freunden spannende Abenteuer und wilde Kämpfe. „Da muss man Online-Welten durchstöbern und je nach Level bekommt man stärkere Waffen oder Rüstungen.“ Der 13-Jährige spielt täglich zwei Stunden. „Ich finde das im Vergleich zu anderen Spielern okay. Die spielen fünf bis neun Stunden.“ Länger als zwei Stunden kann Marvin nicht vor dem Rechner sitzen, denn seine Mutter schaltet den PC dann ab und schließt Tastatur und Maus weg.

Auch Marvins Schulfreunde Alberto und Felix zocken täglich das virtuelle Rollenspiel. Manchmal ‚treffen’ die drei sich also nachmittags online in ihrer Spielwelt. Und genau das kann eine Spielsucht erzeugen, denn viele Spielzüge sind nur zu mehreren Spielern möglich, dadurch entsteht also ein sozialer Druck. „Manche Mitspieler kenne ich von der Schule, andere kenne ich nur aus dem Spiel“, sagt Felix. Alberto hat nach zwei Stunden aber genug. „Mir wird es dann zu langweilig. Dann mache den Laptop aus und gehe Fußball spielen.“

Welches Spiel und wie lange spielen Ihre Kinder?

Drei Schülerinnen, 13 bis 15 Jahre alt

Brigitte, Annemarie, Stefanie: Das Thema Spielsucht kennt nicht jeder

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Die Frage ist: Kann man bei täglichem Konsum von Online-Spielen schon von einer Sucht sprechen? Doch muss man dafür schon mehr Zeit vor dem Computer verbringen? Und wie erkennt man ein Suchtverhalten? Das wollten die Schüler der städtischen Realschule Wipperfürth in einem Projekt herausfinden.

Einige Schülerinnen der Klasse starteten deshalb erst einmal eine Umfrage. Sie befragten in der Wipperfürther Fußgängerzone Erwachsene über das Spielverhalten ihrer Kinder. Annemarie war erstaunt: „Viele wussten nicht Bescheid, wie lange oder was ihre Kinder spielen.“ Für die meisten Eltern war das auch überhaupt kein Thema, sagt Stefanie. „Mich hat am meisten überrascht, dass kaum jemand sich über Spielsucht Gedanken macht.“

Schlechte Vorbilder wirken abschreckend

15-jähriger Schüler vor einer Wand mit Graffiti

Kevin: Süchtige haben keine Zeit und verlieren Freunde

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Mit diesem Vorwissen wurden die Schüler von ihrer Lehrerin in eine Diskussionsrunde mit Betroffenen geschickt.Biologielehrerin Dorothee Sander führt seit einigen Jahren mit den Schülern Projekttage zum Thema „Sucht“ durch. Auch für sie war das Thema „Spielsucht“ neu. Sie musste zunächst einige Artikel und Bücher lesen. Um das ganze Thema für die Schüler aber richtig greifbar zu machen, lud sie zwei Betroffene einer Selbsthilfegruppe für Spielsüchtige in die Schule ein.

„Beide Männer hätten sich vorher niemals vorstellen können, süchtig zu werden.“ Die zwei Männer waren durch persönliche Krisen in eine emotionales Loch gefallen und hatten zunächst zur Ablenkung und aus Langeweile an Automaten gespielt. „Der Spielautomat hat so ein System, dass man nur jedes 25. Mal gewinnt, so dass man mehr verliert als gewinnt,“ weiß Schüler Kevin inzwischen. Die beiden Spielsüchtigen bemühten sich also, zumindest den Verlust wieder rauszuholen, spielten immer mehr - und häuften dadurch Schulen an. Auf ähnliche Weise erzeugen Online-Spiele eine Sucht. Spieler können höhere Level erreichen und wollen diese nicht wieder verlieren. Dafür muss man aber immer weiterspielen! Bei einem der beiden spielsüchtigen Männer führte das soweit, dass er sich nur noch von Zigaretten, Cola und Kaffee ernährte, dadurch abmagerte, sich nicht mehr wusch und schließlich vier mal in Entziehungskuren war.

Die beiden Spielsüchtigen faszinieren die Schüler

Lehrerin, braune Haare, weiße Bluse, rosa Schal

Sander: Jede Klasse über Süchte informieren

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Im Laufe der Diskussion erinnerten sich die Jungen und Mädchen schnell an einen Mitschüler, den sie bereits für spielsüchtig halten. „Der geht so gut wie nie raus. Der ist auch ziemlich blass und gibt selbst zu, dass er überhaupt nicht mit Computerspielen aufhören kann,“ sagt der 14-jährige Timo und Joy ergänzt: „Ihm sieht man an, dass er nichts anderes mehr macht. Der steht auf, macht den PC an, geht in die Schule, kommt nach Hause und setzt sich wieder an den Computer.“

Spielsucht ist also auch bei Schülern bereits ein wichtiges Thema. Diese Erkenntnis haben die Wipperfürther Projekttage noch einmal bestärkt. Deshalb sollen an der städtischen Realschule künftig weitere Veranstaltungen dafür sorgen, dass Schüler über eine mögliche Spielsucht nachdenken und sich nicht so schnell in den virtuellen Strudel ziehen lassen. Lehrerin Dorothee Sander: „Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, viel dafür zu tun, um Jugendliche vor Süchten zu bewahren.“ Im Zeitalter von immer neuen und komplexeren Online-Spielen ist das ein wichtiger Schritt.


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