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Service Learning an der Universität Duisburg-Essen

Punkten mit Engagement

Von Annika Franck

Gutes tun, Punkte sammeln und Spaß an der Arbeit haben - das klingt eigentlich zu gut, um wahr zu sein. Dahinter steckt Methode: "Service Learning" verbindet Lernen mit ehrenamtlichem Engagement. Davon profitieren alle - wie an der Uni in Essen.

Porträt Nils Zündorf; Rechte:Ekkehart Bussenius

Nils Zündorf

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Wie können Alt und Jung zusammenkommen - online und in der realen Welt? Diese Frage stellten sich Nils Zündorf und einige seiner Kommilitonen von der Uni in Essen. Heraus kam das Projekt "GenerAktion", eine Online-Plattform, aber auch ein Café in der realen Welt. Das Café gibt es schon, der Internetauftritt soll Ende September online gehen. Der Grundstein für das Projekt wurde in einem Uni-Seminar gelegt. Wo liegen Probleme in der Kommunikation zwischen Alt und Jung - und wie kann man sie lösen? Die Studierenden erarbeiteten ein Konzept und kümmerten sich um die Durchführung: Sie nahmen Kontakt zu einem Mehrgenerationenhaus auf, trafen sich mit Senioren und erkundigten sich nach ihren Bedürfnissen.


Pfiffiges Konzept wird mit Punkten belohnt

Was braucht eine generationenübergreifende Online-Plattform? Das alles muss geplant, organisiert und programmiert werden. Im Seminar werden dann die Leistungen reflektiert - und mit den so genannten Credit Points benotet. Diese Credit Points brauchen die Studierenden für ihren Abschluss. "Das Thema Generationenaustausch hatte mich schon länger beschäftigt", erzählt der 23-jährige Zündorf, der Wirtschaftsinformatik studiert. Wenn sich jemand beispielsweise über ein Theaterstück austauschen möchte, das er gesehen hat, sei es egal, ob derjenige 20 oder 70 Jahre alt ist. "Aber junge Menschen haben kaum noch Kontakt zu Älteren. Sie haben ein Bild von Senioren, das eigentlich überhaupt nicht mehr passt, die sitzen nämlich nicht nur zuhause rum. Und ältere Menschen haben häufig Angst vor Jugendlichen."


Methode stammt aus den USA

Porträt Karsten Altenschmidt; Rechte:Uniaktiv

Karsten Altenschmidt

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Die Verbindung von theoretischen Grundlagen und ihrer Umsetzung in die Praxis ist Teil des Konzepts "Service Learning", zu Deutsch: Lernen durch Engagement. Ziel ist es, universitäre Lehre mit gesellschaftlichem Engagement zu verknüpfen. Die Methode stammt aus den USA, wird seit einigen Jahren aber auch an deutschen Universitäten praktiziert. Praxisorientierte Inhalte lernen und gleichzeitig gesellschaftliche Verantwortung übernehmen – das sind keine Ziele, die man normalerweise mit dem Studium an einer Universität verbindet. Doch an der Uni Duisburg-Essen sammelt man im Uniaktiv-Zentrum seit 2005 Erfahrungen in Sachen Lernen durch Engagement.
"Wir wollen die persönliche, akademische und berufliche Entwicklung fördern", erklärt Uniaktiv-Mitarbeiter Karsten Altenschmidt die Methode. Und fügt hinzu: "Die Studierenden erfahren sich als aktiv, sie erleben ihre Selbstwirksamkeit."


Seit der Bologna-Reform, die im Kern auf eine Straffung des Studiums und eine Vereinheitlichung der Abschlüsse abzielt, wurde zwar das Studium auch in Essen verdichtet. Dem stehe die ehrenamtliche Komponente aber nicht entgegen, betont Altenschmidt. „Das Konzept passt perfekt zur Bologna-Reform. Denn Service Learning ist eben eine Möglichkeit, um Engagement in die Lehre zu integrieren – man deckt also beide Bereiche ab.“


Mit Partnern werden Projekte in die Praxis umgesetzt

In Seminaren lernen die Studierenden die Theorie, die Praxis kommt der Gesellschaft zugute. Aus dem Fachbereich Sozialarbeit stammt beispielsweise ein Service Learning Projekt, in dem Studierende neue Methoden des Qualitätsmanagements kennenlernen. Umgesetzt werden die Ideen von einigen der zahlreichen Uniaktiv-Partnern wie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Sozialdienst Katholischer Frauen und der Suchthilfe.


Unigebäude Essen; Rechte:WDR/Christopher C. Franken

Uni öffnet sich der Gesellschaft

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Doch es geht längst nicht nur um soziale Fächer, wie Altenschmidt betont: „Die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, die beschränkt sich ja nicht auf soziale Fachbereiche.“ So haben Studierende der Wirtschaftsinformatik während eines Praktikums eine GPS-gestützte Navigationshilfe für Sehbehinderte entwickelt. Die benötigte Handy-Software haben sie selbst entworfen und programmiert.


Senioren beeindrucken mit ihren Erfahrungen

Die Kontakte zwischen Universität und Gesellschaft tragen Früchte - und so hat sich auch Zündorfs Bild von Senioren verändert: "Natürlich haben die auch mal von ihren Enkeln erzählt. Aber man merkt immer wieder, dass sie viel Knowhow und Erfahrungen haben. Das hat mich schon beeindruckt.“


Gut für den Lebenslauf

Junge Frau mit Senior am Laptop; Rechte:dpa

Neue Ideen treffen auf Erfahrung

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Zwar gibt es bisher keine Studien, die belegen, dass 'Service Learning'-Studenten bessere Berufschancen haben. "Was wir aber immer wieder erfahren ist, dass die Studierenden das, was sie hier lernen, sehr schätzen", sagt Karsten Altenschmidt. Zusätzlich zu den Credit Points erhalten die Absolventen der Seminare Zertifikate, die sie einer Bewerbung hinzufügen können. "'Service Learning' revolutioniert nicht die Welt, und nicht jeder muss es machen", sagt Altenschmidt. "Aber es ist eine sinnvolle Ergänzung."


Eine Ergänzung, hinter der viel Arbeit steckt – die sich laut Nils Zündorf allerdings lohnt: „Koordinieren, entwickeln - das passt super zu dem, was ich später mal machen will. Und es ist nicht so theoretisch, außerdem wird man zusätzlich motiviert, weil man weiß, dass das wirklich mal genutzt wird.“ Einziger Nachteil mag der große Zeitaufwand sein. „Das sollte man nie nur in Credit Points messen“, sagt der 23-Jährige. „Denn man hat ja auch viel mehr Spaß.“






Kommentare zum Thema 

Bisherige Beiträge

Gero, 23 vor 84 Woche(n)
Bis auf den etwas sperrigen Namen eigentlich eine sehr gute Sache! Sollte die Politik mal überlegen, so etwas zu institutionalisieren, statt immer nur mehr Festlegungen in einem BA-Studiengang...

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08.07.2010


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