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Semesterbeginn an den Universitäten

"Das ist Bologna pur!"

Von Martina Züger

Zu viele Prüfungen, zu verschult – die Kritik am Bachelor ist groß. Einzelne Studiengänge haben die Bologna-Reform jedoch gut umgesetzt. Drei Institute stellen ihren Bachelor vor und erklären, was sie besser gemacht haben.

Professor Bernhard Zimolong; Rechte:RUB Bochum

Zimolong: Bachelor ist kein Vordiplom

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Professor Bernhard Zimolong sitzt in seinem Büro an der Ruhr-Universität Bochum und präsentiert beeindruckende Zahlen. 91 Prozent der Studenten der Wirtschaftspsychologie schließen den Bachelor in der Regelstudienzeit von sechs Semestern ab; 98 Prozent sind mit dem Studiengang zufrieden oder sehr zufrieden. Das ergab zumindest eine Absolventenbefragung aus dem Jahr 2008. Grund für den Erfolg sei die konsequente Ausrichtung am Arbeitsmarkt, glaubt der 65-jährige Dekan der Fakultät Psychologie. "Wir haben nicht einfach unser Psychologie-Vordiplom in Bachelor umgetauft, sondern überlegt: Wo werden unsere Studenten später tätig sein? Und welche Fertigkeiten brauchen sie dafür?"


Wer wird auf dem Arbeitsmarkt gebraucht?

Die Leiter der Psychologie-Fakultät strafften die theoretischen Grundlagen auf das Wesentliche. Zentraler Lehrstoff ist dagegen Personalpsychologie: Welcher Bewerber passt auf welche Stelle? Wie bildet man einen Angestellten weiter? Das war früher erst gegen Ende des Diplomstudiengangs ein Thema. "Unsere Bachelor-Absolventen kommen hauptsächlich in Personalabteilungen unter, darauf mussten wir reagieren", sagt Zimolong.

Fester Stundenplan, kleine Studiengruppen

"Das Konzept ist für mich aufgegangen", sagt Armgard von Pfeffer, eine 30-jährige Masterstudentin der Wirtschaftspsychologie. Nach fünf Semestern Verzweiflung im Diplomstudiengang Volkswirtschaftslehre, landete sie im Bachelor Wirtschaftspsychologie - mit einem festen Stundenplan und in einer kleinen Studiengruppe von 30 Mitstudenten. "Die Anordnung der Lehrveranstaltungen war logisch und gut aufeinander abgestimmt. Manche empfinden das verschult, mir hat es gut getan."


Neue didaktische Konzepte erprobt

Unibibliothek in Ilmenau; Rechte:dpa

Unlogisch: Theorie und Praxis trennen

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Auch das Institut für Physik an TU Dortmund brach bei der Umstellung mit alten Traditionen. Im Bachelorstudiengang geben die Lehrenden der Theoretischen und Experimentellen Physik gemeinsam Lehrveranstaltungen. "Zwei Professoren in einem Raum, früher war das Majestätsbeleidigung. Heute sehen wir es anders herum: Für die Studierenden ist es unlogisch Theorie und Praxis eines Sachverhaltes zu trennen", erklärt Metin Tolan, Professor für Experimentelle Physik und Prorektor für Forschung an der TU Dortmund.


Noten aus dem ersten Physiksemester zählen nicht

Campus der TU Dortmund; Rechte:TU Dortmund

Physikstudium ist hart

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Die Abbrecherquoten - bei Naturwissenschaften liegen sie teilweise bei 50 Prozent - sind seit der Umstellung zurückgegangen. "15 Prozent der Studenten brechen ihr Studium in den ersten drei Semestern ab, danach fast keiner mehr", sagt Tolan. Grund dafür seien vierstündige Übungen, die zu jeder Vorlesung gehören, Tutorien von Studenten älterer Semester für die jüngeren, und ein Mentorenprogramm. In einem Punkt legten sich die Physiker der TU Dortmund sogar mit den Behörden an, die Bachelorstudiengänge akkreditieren: Die Noten aus dem ersten Semester zählen nicht für die Abschlussnote – eine absolute Ausnahme. Gerade das erste Physiksemester sei hart, der Unterschied zur Schule enorm. Tolan: "Das wäre so, als wenn eine Note aus der ersten Klasse für das Abiturzeugnis zählt. Unsere Lösung sollte es häufiger geben." Das Hochschulranking des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) von 2009 gibt Metin Tolan Recht: Die Physikfakultät landete viermal in der Spitzengruppe, darunter bei Betreuung, Studiensituation und Laborausstattung.


Aus drei Fächern eins gemacht

Professor Michael Baurmann; Rechte:Universität Düsseldorf

Baurmann hat radikal umgebaut

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Am weitesten haben die Macher des Studiengangs "Sozialwissenschaften" an der Universität Düsseldorf den Geist von Bologna verinnerlicht. "Wir haben bei der Umstellung zum Bachelor Tabula Rasa gemacht", sagt Michael Baurmann, Soziologieprofessor an der Universität Düsseldorf. Im Jahr 2000 waren die drei Magisterstudiengängen Soziologie, Politikwissenschaft und Kommunikations- und Medienwissenschaft Sorgenkinder – alles Fächer mit grotesk hohen Abbrecherquoten von bis zu 70 Prozent. "Weil die Methoden gleich sind, haben wir aus drei Fächern eins gemacht", sagt Baurmann. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zeichnete das Fach in einem bundesweiten Wettbewerb als einen der besten Reformstudiengänge aus. Heute liegt die Abbrecherquote bei sieben Prozent.


Bachelor - "in ganz Europa weiterstudieren"

"Wer will, kann bei uns - ohne sich zu verzetteln - einen breitgefächerten Bachelor abschließen und anschließend in ganz Europa weiterstudieren", sagt Baurmann. Nur etwa zehn Prozent der Absolventen machen auch ihren Master in Düsseldorf. Baurmann bewertet das positiv: "Eine Universität soll nicht klammern, sondern die Mobilität nach dem Bachelor fördern. Das ist Bologna pur!"






12.04.2010, 06.00 Uhr


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