Judith Schacht
1. Februar 2003 – ein schwarzer Tag für die Raumfahrt. Die Raumfähre Columbia zerbricht beim Versuch, in die Erdatmosphäre einzutreten. Alle sieben Astronauten an Bord sterben. Diese Schreckensnachricht trifft Bochums Universität besonders. Nicht nur, weil sie um ihre Kollegen trauern. Sondern auch, weil ein Jahrzehnte lang entwickeltes Experiment der Universität Bochum vor seiner Vollendung im Weltall verglüht ist. C.E.B.A.S - ein Weltraumaquarium mit Fischen, Wasserschnecken, Pflanzen und Bakterien, das sich selbst mit lebensnotwendigen Substanzen, wie Sauerstoff und Kohlenstoff, versorgt. Bochumer Forscher hatten lange daran geforscht und C.E.B.A.S bereits zweimal ins Weltall geschickt, mit großem Erfolg. Die Experimente konnten zeigen, wie sich die Organismen bei Schwerelosigkeit verhalten und fortpflanzen. Der dritte Flug mit der Columbia sollte nun letzte offen gebliebene Fragen klären. Eine Hoffnung, die sich nie erfüllt hat. C.E.B.A.S verglüht so wie die sieben Astronauten beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.
Kaum zu glauben, aber wahr. Forschung im Weltall hilft der Medizin beim Kampf gegen Knochenschwund. Wegen der Schwerelosigkeit verlieren die Knochen von Astronauten im Weltall besonders schnell an Masse. Das All bietet also ideale Voraussetzungen für Ernährungsstudien. 2008 startete eine Versuchsreihe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln. Acht Astronauten mussten sich zehn Tage lang ganz genau an die Vorgaben halten: exakt abgezähltes Astronautenfutter mit unterschiedlichen Kochsalzgehalten, sowie genau kontrollierte Bewegung. Gleichzeitig wurden penibel alle Körperdaten notiert und sogar gemessen, was die Astronauten auf der Toilette ließen. Wieder auf der Erde wurden dann die Knochen der Astronauten durchleuchtet. Alles um herauszufinden, wie sich das Salz auf den Knochenschwund auswirkt. Ein ehrenwerter Einsatz der Astronauten - für wichtige medizinische Erkenntnisse. Heute können Ärzte Patienten mit Knochenschwund empfehlen, möglichst wenig Kochsalz zu sich nehmen.
Dass die Grünalge Chara ins All fliegen durfte, hat sie Wissenschaftlern aus Bonn zu verdanken. Gut sichtbar verpackt in Plexiglas ging es raus ins Weltall, um die Alge beim Wachsen zu beobachten. Während des Fluges wurde die Alge ganz genau beobachtet. Ergebnis: Der Alge ist die fehlende Schwerkraft zumindest bei ihrem Wachstum herzlich egal. Anders als den Astronauten, die sich um die Alge kümmerten. Sie klagten wegen der fehlenden Gravitation über schlimme Raumkrankheit, die sich in Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen bemerkbar macht. Aber das Leiden hat sich ausgezahlt. Das Algen-Experiment liefert wichtige Informationen - für zukünftige Reisen zu entfernteren Planeten.
Die letzte Reise des Space-Shuttle
Letzte Flug der "Atlantis"
Serie: Die Krisen der Raumfahrt
Pioniere, Meilensteine, Visionen
07.07.2011, 18:00 Uhr
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