Weniger Schnee, häufiger Orkane: Eine Studie zeigt, dass der Klimawandel auch in NRW Folgen haben wird. Das NRW-Umweltministerium stellt am Mittwoch (29.04.09) Strategien für die Zukunft vor.
Weniger Niederschlag im Sommer, mehr Hochwasser im Winter und eine Erhöhung der Temperatur über das ganze Jahr hinweg - diese Veränderungen des Klimas werden laut einer Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) bis 2050 auf NRW zukommen. Die Untersuchung im Auftrag des NRW-Umweltministeriums kommt zu dem Schluss, dass es in der Kölner Bucht um zwei Grad wärmer wird, in der Westfälischen Bucht um ein Grad. Im Winter wird statt Schnee vermehrt Regen fallen, im Sommer muss mit Hitzewellen gerechnet werden. "Die Klimaveränderungen laufen schneller ab als angenommen", sagt Jürgen Kropp, Leiter der Studie.
Verlierer des Klimawandels
Die Veränderungen des Klimas in NRW bringen etliche Probleme mit sich: Stärkere Niederschläge in den Wintermonaten könnten dazu führen, dass die Flüsse mehr Wasser mit sich führen. "Das Überschwemmungsrisko steigt", sagt Kropp. Im Sommer hingegen bereite das Niedrigwasser Probleme für die Industrien, die auf ausreichend Flusswasser für Kühlzwecke angewiesen seien. Auch die Schifffahrt könne durch den niedrigen Wasserstand eingeschränkt werden. Die Erwärmung des Klimas und die dadurch höhere Verdunstung könne zudem dazu führen, dass die Neubildung von Grundwasser zurückgeht. Ganz deutliche Konsequenzen hat der Klimawandel für den Tourismus: Wer auf Sommerurlauber setzt, darf sich freuen. Die Skilifte im Sauerland dürften hingegen vermehrt im Regen stehen. Selbst die Tage, an denen Kunstschnee produziert werden könnte, werden abnehmen, prophezeit die Klimastudie.
Gute Aussichten für Landwirte
Die Landwirte könnten allerdings zu den Gewinnern des Klimawandels zählen: Bei fast gleichbleibender Niederschlagsmenge und höheren Temperaturen sind die Prognosen des Potsdam-Instituts günstig für die Erträge. "Die Erwärmung ist gut für die jungen Pflanzen im Frühjahr, und die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat einen leichten Dünge-Effekt", sagt Studienleiter Kropp. Bei vielen Pflanzen stellten die Wissenschaftler bereits jetzt einen früheren Wachstumsbeginn fest. Bei der Waldwirtschaft seien ebenfalls keine Einbußen zu erwarten. Allerdings: In den Wintermonaten sei mit häufigeren und stärkeren Orkane zu rechnen, die in den Wäldern in den Höhenlagen der Mittelgebirge für Schaden sorgen könnten.
Hitze in den Großstädten
Großstädte in dicht bebauten Ballungszentren, wie beispielsweise im Ruhrgebiet, werden durch die Versiegelung und die Bausubstanz noch mehr die Sommerwärme speichern. Gerade in Ballungszentren befürchten die Experten deshalb Auswirkungen auf die Gesundheit von vor allem älteren Menschen, die die Hitzewellen nur schlecht verkraften. Zudem dürften wärmeliebende Tierarten wie Mücken und Zecken bei dem veränderten Klima gedeihen. "Die Verbreitung wird gefördert, aber die große Katastrophe bricht nicht aus", schätzt Kropp.
"Beherrschbare Folgen"
Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) will vorausschauend auf die prognostizierten Klimaveränderungen reagieren: "Die Folgen des Klimawandels in NRW werden beherrschbar sein", sagte er am Mittwoch (29.04.09) auf einer Fachtagung im Düsseldorfer Landtag. In den nächsten Jahren müssten der Ausbau von Deichen, die Aufforstung von Wäldern und die Begrünung von Innenstädten intensiviert werden. Mit Grünschneisen sollen der regelmäßige Luftaustausch und die Kühlung in den Städten verbessert werden. Durch vorbeugende waldbauliche Maßnahmen sollen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Waldbestände reduziert werden. Vor allem aber wolle das Ministerium das Wissen um die regionalen Folgen des Klimawandels erweitern.
Kritik an Plänen des Umweltministeriums
Die geplanten Maßnahmen des Umweltministeriums würden lediglich die schlimmsten Folgen bekämpfen, kritisierte der Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Paul Kröfges. Notwendig sei aber eine Kehrtwende in der Energiepolitik der Landesregierung. "Nordrhein-Westfalen ist mit dem Ausstoß von jährlich fast 300 Millionen Tonnen Kohlendioxid Deutschlands Klimasünder Nummer eins." Der Naturschutzbund Nabu lobte die Strategie zwar als vorbildlich, "entscheidend sei jetzt aber die konkrete Umsetzung", erklärte Nabu-Landeschef Josef Tumbrinck.
Auch die Opposition sparte nicht an Kritik. Bislang habe der Minister "die Flächenversiegelung forciert, die Landwirtschaft industrialisiert, den Wald ausverkauft und den Gewässerschutz zurückgefahren", bemängelte Johannes Remmel, Umweltexperte der Grünen. Uhlenberg müsse seine falschen klimapolitischen Weichenstellungen rückgängig machen. Auch die SPD warf der CDU/FDP-Koalition eine klimafeindliche Politik vor. "Der Ausbau der Windenergie wurde verhindert und die Chancen der Bioenergie verpennt", sagte der SPD-Abgeordnete André Stinka.
Homepage des Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Homepage des NRW-Umweltministeriums
Stand: 29.04.2009, 16:51 Uhr
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