Die so genannte CO2-Wäsche ist ein Kraftwerks-Verfahren, bei dem klimaschädliches Kohlendioxid aus dem Rauchgas gelöst und an eine spezielle Waschflüssigkeit gebunden wird. Anschließend wird das Kohlendioxid wieder chemisch von der Waschflüssigkeit getrennt. So kann es dann in einem unterirdischen Speicher gelagert werden. Bis zu 90 Prozent des Treibhausgases kann so eine CO2-Wäsche aus dem Rauchgas filtern, sagt Dr. Manfred Fischedick. Er ist Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie.
WDR.de: Ist die CO2-Wäsche eine Technik mit Zukunft?
Dr. Manfred Fischedick: Wenn wir die globale Brille aufsetzen, dann müssen wir realistisch ins Auge fassen, dass viele Länder der Welt wie China, USA, Australien oder Indien weiterhin auf Kohle setzen, ob uns das gefällt oder nicht. Im Hinblick darauf ist die Entwicklung klimaverträglicher Kohlekraftwerke durchaus eine Technik der Zukunft. Dennoch kann die CO2-Wäsche Anstrengungen im Bereich der regenerativen Energien und der Energieeinsparungen nur ergänzen und auf keinen Fall ersetzen. Die CO2-Wäsche kann allenfalls eine Brückentechnik in die Richtung einer stark aufgestellten regenerativen Energieversorgung sein.
WDR.de: Beeinflusst die CO2-Wäsche die Effizienz des Kohlekraftwerks?
Fischedick: Für die CO2-Trennung wird viel Energie benötigt. Der Wirkungsgrad des Kohlekraftwerks, das ist der Prozentsatz, zu dem die eingesetzte Energie in Strom umgesetzt wird, verringert sich um bis zu zwölf Prozentpunkte. Die Folge: Die Anlage wird energieintensiver, es muss mehr Kohle eingesetzt werden, um das Niveau der Stromproduktion zu halten. Damit liegt ein klassisches Gewichtungsproblem vor, bei dem man entscheiden muss, ob ein niedriger Rohstoffaufwand oder die CO2-Abtrennung wichtiger ist.
WDR.de: Warum suchen Unternehmen dann nicht Alternativen?
Fischedick: Die Energieversorger versuchen Strategien anzuwenden, die auf die bestehenden Kraftwerkparks passen. Daneben haben sie aber auch globale Interessen. Da im Ausland viel mit Kohle produziert wird, macht unter internationalen Gesichtspunkten die Entwicklung von CO2-armer Kohlekraftwerkstechnik Sinn.
WDR.de: Wo wird das absorbierte CO2 gespeichert?
Fischedick: Es gibt mehrere Optionen. Das größte Lagerpotential weltweit liegt in salzwasserführenden Untergrundschichten. Diese muss man sich als poröse Gesteinsschichten vorstellen, in deren Hohlräumen CO2 gelagert wird. Solche Schichten haben wir in Deutschland primär in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, aber auch unter der Nordsee. Schätzungsweise können in Deutschland 20 Milliarden Tonnen CO2 in solchen Formationen gelagert werden. Die Emission von Kraftwerken liegt allerdings jährlich schon bei 0,3 Milliarden Tonnen. Dies zeigt einmal mehr den Übergangscharakter der Technologie.
WDR.de: Wo liegen weitere Knackpunkte der CO2-Speicherung?
Fischedick: Beim Aufbau der CO2-Transporttrassen zu den Speicherorten sehe ich zeitliche Engpässe. Beispielsweise hat RWE für 2014 ein Kraftwerk geplant, das eine Kohlevergasung mit CO2-Speicherung vorsieht. Diesen Zeitplan halte ich salopp gesagt selbst für eine Demonstrationsanlage für sportlich. Ich denke, dass eine industrielle Umsetzung frühestens 2020 beginnen kann.
WDR.de: Wie reagiert die Bevölkerung auf die CO2-Lagerung?
Fischedick: Das ist noch eine weitgehend offene Frage. Wegen der langfristigen unterirdischen Speicherung wird es zwangsläufig vergleichende Schlüsse zur Endlagerung von radioaktiven Abfällen geben, auch wenn die zu lagernden Stoffe gänzlich andere sind. Bei der CO2-Speicherung sehe ich bei einer verantwortungsbewussten Planung keine vergleichbaren Gesundheitsrisiken. Es gibt aber durchaus eine Ähnlichkeit, das ist die Verantwortung für die Speicherstätten, die wir zukünftigen Generationen mit auf den Weg geben.
Das Interview führte Priya Palsule-Desai
Stand: 01.04.2009, 14:06 Uhr
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