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Wälder und Obstplantagen leiden unter Klimawandel

Bäume stehen unter Stress

Von Stephanie Zeiler

Auf der Weltklimakonferenz im Dezember ist der Waldschutz eines der Hauptthemen. Bäume speichern CO2, produzieren Sauerstoff und liefern Energie. Aber Wälder mit dicken, alten Bäumen werden immer mehr zur romantischen Illusion - auch in NRW.

Temperaturen steigen, Schädlinge vermehren sich, es hagelt und stürmt: Wälder sind heute besonders gefordert dem Klima stand zu halten. Rund ein Viertel von Nordrhein-Westfalen ist von Wald bedeckt, zwei Drittel davon befinden sich in Privatbesitz. Die Bäume bekommen den Temperaturanstieg längst zu spüren: Um ein Grad soll sich das Klima in NRW seit Beginn des letzten Jahrhunderts erwärmt haben, so das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

"Pro Grad Erwärmung verlängert sich die Vegetationszeit um zwei Wochen. Wenn die Fichte dann kein Wasser bekommt, gerät sie in Stress", erklärt Norbert Asche, Klimaexperte des Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Und ein gestresster Baum kommt gegen Schädlinge wie Borkenkäfer nur schwer an. Aber ausgerechnet Schädlinge lieben die Trockenzeit und vermehren sich stark.


Narrentaschen-Krankheit bei Pflaumen

Das beklagen auch die Obstbauern. Pflaumenbäume, die unter anderem in Westfalen gepflanzt werden, leiden verstärkt an der Narrentaschen-Krankheit - einem Pilz, der verhindert, dass die Früchte reifen. "Vor 20 Jahren gab es die Infektion noch nicht. Auch andere Baumerkrankungen treten immer häufiger auf", sagt Christine Lessmann, Referentin für Obst- und Gemüseanbau der Landwirtschaftskammer NRW. Man versuche heute schon Apfelbäume zu züchten, die gegen Mehltau und Schorf resistent seien.

Letztlich würden beim Anbau jedoch Geschmack, Farbe und Form der Frucht entscheiden. "Es muss alles auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet sein", so Lessmann. Deshalb werden vor allem kleinwüchsige Obstbäume mit nur einem dünnen Hauptstamm gezüchtet. Dabei steht längst fest, dass ihre ebenfalls sehr kurz geratenen Wurzeln sie in starken Trockenzeiten nicht mehr versorgen können. Kräftigere Bäume würden mehr Platz brauchen, also weniger Profit bringen.

Fichtenholz besonders lukrativ

Auch Fichten sind Flachwurzler. Und sie werden ebenso wie die Obstbäume auf den Plantagen längst nicht mehr so alt, wie es ursprünglich in ihrer Natur lag. Viele werden schon nach 40 Jahren gefällt. Auch hier mischt der Markt mit: "Die Fichte ist unser Brotbaum", sagt Dirk Jansen, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz in NRW. Sie dominiert vor allem das Hochsauerland. "Für die Waldbauern dort ist sie die Altersversorgung." Der großflächige Anbau von Fichten verhindere, ein Waldökosystem aufzubauen, das an den Klimawandel angepasst sei. Das sieht auch Klimaexperte Asche so. Die Menschen wünschten sich einen schönen gemischten Wald mit uralten Bäumen. Aber durch ihr Kaufverhalten förderten sie Nadelwälder. Denn Fichten seien gut gefragt und erzielten einen hohen Preis.


Laubwald; Rechte:Stephanie Zeiler

Land setzt auf Laubbäume

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Eichen und Buchen krank

Fördergelder bekommen Waldbauern nur selten – zum Beispiel nach dem Orkan Kyrill vor zwei Jahren: In einem Sonderprogramm stellte das Land 56 Millionen Euro für die Wiederaufforstung bis 2011 bereit. Mittlerweile seien dadurch die Waldflächen in NRW zu rund 53 Prozent mit Laubbäumen bepflanzt, sagte Landes-Umweltminister Eckhard Uhlenberg bei der Vorstellung des jüngsten Waldzustandberichts Anfang November. Demnach geht es dem Wald langsam besser. Allerdings sind immer noch 62 Prozent der Bäume krank: Vor allem Laubbäume wie Buchen und Eichen sind betroffen. Lediglich jede vierte Krone weist keine Schäden auf, so der Bericht. Das ist deshalb bedenklich, weil Laubbäume dem Klimawandel eher standhalten und das Land bei der Wiederaufforstung auf Eichen und Buchen gesetzt hat. Rund 90 Prozent der neu gepflanzten 25 Millionen Gehölze sind Laubbäume.


Bäume mit farbigen Markierungen; Rechte:Stephanie Zeiler

Abschied von der Fichte

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Bäume fremder Herkunft unbeliebt

Die Douglasie, ein Nadelbaum aus Nordamerika, konnte sich bisher wenig behaupten. Dabei war es dieser Baum, der oft als einziger Orkan Kyrill standgehalten hat. "Das ist eine Baumart, mit der man auch durch den Klimawandel gehen kann. Und sie absorbiert auch mehr CO2 als die Fichte", sagt Asche. Aber die Forstwirte seien eben sehr traditionell und wollten keine Bäume mit fremder Herkunft in ihrem Wald. Erst langsam würden sie anfangen, mit Douglasien und anderen robusten, fremdländischen Arten wie Küstentannen, Roteichen und Mammutbaum zu arbeiten. Holzverarbeitern kommt das entgegen: Langfristig brauchen sie beispielsweise für den Bau von Dachstühlen eine Alternative zum leichten, heimischen Fichtenholz.






Stand: 25.11.2009, 06:00 Uhr


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