Von Robert Franz
Ein Glas Milch zum Frühstück, das saftige Rindersteak am Mittag. Wer es sich schmecken lässt, sollte wissen: Vor allem Rinder produzieren eine Menge Methangas und tragen dadurch zum Klimawandel bei. Das Ausmaß soll erstmal in einem Versuchsstall in Kleve unter Realbedingungen geklärt werden.
Noch ragt aus dem Boden ein Geflecht aus Moniereisen. Wo in wenigen Monaten die Rinder des Landwirtschaftszentrums in Kleve in ihrem neuen Stall stehen sollen, ist noch eine Baustelle. Die Spaltböden aus Beton lassen die spätere Nutzung als Stall aber bereits erkennen. Ein Modell zeigt den Besuchern von Haus Riswick in Kleve genauer, wie die Anlage später aussehen wird: Der Versuchsstall ist in mehrere gleichartigee Bereiche aufgeteilt, die sich voneinander abtrennen lassen. In jedem Bereich kann über Sensoren erfasst werden, wie viel klimaschädliches Gas die Kühe absondern. Wiegetröge messen zugleich, was die Tiere in welchen Mengen gefressen haben. Ein kleiner Sender am Hals der Tiere steuert die Messungen. Erstmals kann so unter realen Bedingungen erforscht werden, welchen Einfluss die Rinder auf die Erderwärmung tatsächlich haben. "Bislang gibt es nur Werte für einzelne Tiere, die sich nicht eins zu eins übertragen lassen", erklärt Claudia Verhülsdonk, Referentin für Rinderhaltung bei der Landwirtschaftskammer NRW.
Biokraftwerk Rind
Sicher ist: Mikroben im Vormagen der Rinder produzieren bei ihrer Verdauung das Methangas, das über das Maul der Kuh nach draußen entweicht - das Tier rülpst das Gas aus. Einmal in der Welt, wirke es als Klimakiller, denn Methan sei ein deutlich gefährlicheres Treibhausgas als Kohlendioxid, erklärt Wolfgang Büscher, Professor der Uni Bonn. "Erstmals erhalten wir nun belastbare Zahlen, die uns sagen, wie gefährlich die Rinderhaltung tatsächlich für unser Klima ist", hofft der Forscher. Zugleich will er durch die Versuche in Kleve erfahren, "an welchen Schrauben man drehen kann", um die Emission der Rinder zu verringern. Laut Umweltbundesamt erzeugen Wiederkäuer wie Rinder, Schafe und Ziegen - sie alle sollen in Kleve untersucht werden - Jahr für Jahr 450.000 Tonnen Methan.
Weniger ist mehr
Forscher wie Jesko Hirschfeld vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung erwarten indes von dem Versuchsstall keine großen Veränderungen gegenüber den Modellrechnungen aus den Laboren. Deshalb hält er eine Kehrtwende in der Landwirtschaft für unumgänglich. Extensiv statt intensiv heißt seine Zauberformel: weniger Rinder auf Weiden und in Ställen. Auch für den Verbraucher bedeutet das: weniger ist mehr. "Wenn nur noch ein Drittel der tierischen Produkte gegessen werden, entspricht das der Menge, die mit einer extensiven Tierhaltung produziert werden kann", glaubt Hirschfeld. Zudem sollten nach seiner Ansicht wieder mehr pflanzliche Energieträger wie Hülsenfrüchte die tierischen ersetzen.
Knoblauch im Test
Dass die ökologische Tierhaltung auch beim Klimaschutz von Vorteil ist, sieht Agraringenieurin Verhülsdonk nicht. "Es gibt Hinweise, dass Kühe mit intensiver Fütterung weniger Methan abgeben als extensiv gehaltene." In einem halben Jahr sollen die knapp 250 Kühe in den neuen Versuchsstall umziehen, der rund drei Millionen Euro kostet. Ergebnisse der Untersuchungen wird es aber erst in drei Jahren geben, denn zunächst muss Verhülsdonk mit ihren Kollegen die Anlage justieren. Dann erst wird gemessen, welche Futtermischungen bei der Kuh zu geringeren Methanabgasen führen. Neben verschiedenen Gerbstoffen wird dann auch Knoblauch als Futterzusatz getestet. Das steht im Ruf, das Methan in den Rindermägen zu verringern.
Stand vom 12.12.2009, 10:00 Uhr
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