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Hände greifen in einen Sack Getreide; Rechte: WDR/Bothma
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Pilotprojekt: Haushalte wollen mit digitalen Zählern Strom sparen

Stromfresser online aufspüren

Von Marion Menne

Die nächtlichen Computerstunden des Sohnes, das Kochen am Mittag, der Waschmaschinengang - wann wie viel Strom verbraucht wird, soll online abrufbar werden. Bochum startete ein Pilotprojekt zum Energiesparen mit dem "Smart Meter".

Der

"Smart Meter"

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Die Bochumer Stadtwerke und fünf weitere Energieversorger aus ganz Deutschland haben insgesamt tausend Haushalte mit so genannten "Smart Metern" ausgerüstet. Am Dienstag (18.08.09) begann der offizielle Testbetrieb. Die intelligenten Zähler ersetzen nun die schwarzen Strommesser und sind per Bluetooth mit den Computern der Bewohner verbunden. Im Viertelstundentakt berechnen sie den Stromverbrauch der Haushalte, wie der Stadtwerke-Sprecher Thomas Schönberg erklärt. Die Familien können ähnlich wie beim Online-Banking verfolgen, wann sie wie viel Strom verbrauchen. Das Ziel ist, Stromfresser aufzuspüren und auszuschalten.


"Drei Fernseher, vier Computer, zuviel Stromverbrauch"

Mit dabei ist Jürgen Bonin, aus guten Grund. Der IT-Spezialist lebt mit seiner Frau und dem 16 Jahre alten Sohn in einer Siedlung am Rand von Bochum. "Wir haben drei Fernseher und vier Computer und verbrauchen 8.000 Kilowattstunden im Jahr", erzählt der 49-Jährige. Das ist gut das Doppelte von dem, was ein Durchschnittsbürger benötigt. Bonin will jetzt mindestens 1.000 Kilowattstunden einsparen.


Sparschwein mit Stromsteckernase; Rechte:dpa

Strom und Geld sparen

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Test-Familie Bonin will nachts sparen

Seit einer Woche schon läuft bei Bonins im Keller der digitale Rechner. Jetzt wissen sie: Sogar nachts, wenn alle schlafen, werden immerhin 500 Watt Strom verbraucht. Schuld waren unter anderem das Heißwassergerät unter der Spüle und ein TV auf Standby. Mit einer Zeitschaltuhr sind sie nun ausgeschaltet worden. Das Strom-Diagramm zeigt seither 200 Watt weniger an. "Das macht eine Ersparnis von 250 Euro im Jahr", so Bonin, der sich freut, dadurch auch etwas für die Umwelt zu tun.


Warnung von Verbraucherschützern

"Um das Verhalten zu ändern, geht kein Weg an den digitalen Zählern vorbei", glaubt auch Energieexperte Peter Blenkers von der Verbraucherzentrale NRW. In Neubauten seien die "Smart Meters" ab 2010 Pflicht. Das herkömmliche Verfahren - einmaliges Stromablesen, einmalige Rechnung - sei nicht transparent genug. Der Verbraucherschützer warnt jedoch vor Datenmissbrauch: "Die sensiblen Daten bieten auch Einblicke in die Privatsphäre." So könnten zum Beispiel sogar Rückschlüsse auf die Religionszugehörigkeit gezogen werden, wenn etwa wie bei orthodoxen Juden samstags kaum Strom genutzt wird. Am besten sei, die Hoheit der detaillierten Daten läge beim Verbraucher, meint Blenkers.


Tagebuch führen über elektrische Geräte

Besonders viele Daten werden von den tausend Testfamilien verlangt. Zum intelligenten Zähler haben sie eine aufwändige Aufgabe bekommen. Sie müssen ein halbes Jahr lang Tagebuch führen. Wann sie den Herd anstellen, wann sie Wäsche waschen oder fernsehen, alles muss aufgeschrieben werden. Später soll laut dem Stadtwerke-Sprecher genau ausgewertet werden, welche Geräte die Stromfresser sind. Die Bochumer Stadtwerke verfolgen damit auch das Ziel, Kunden zu gewinnen, die den "Smart Meter" - gegen Gebühr - installieren lassen.


Projekt vom Bund zum Klimaschutz

Das Pilotprojekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert und soll helfen, die Kohlendioxid-Emissionen einzudämmen. Dahinter steckt die gemeinnützige Klimaschutzorganisation "co2online". Zusammengearbeitet wird mit dem Institut für Zukunftsenergiesysteme der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Beteiligt sind neben Bochum die Stadtwerke Schwäbisch-Hall, Jena-Pößneck, St. Ingbert, Marburg und die Mainova AG. Nach Angaben der Initiatoren entstehen 15 Prozent der deutschen CO2-Emissionen in Privathaushalten.


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Stand: 18.08.2009, 16:45 Uhr


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