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Hände greifen in einen Sack Getreide; Rechte: WDR/Bothma
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Verwirrende Vielfalt in einem Nischenmarkt

Wie grün ist der Ökostrom wirklich?

von Stefan Michel

Wenn die Stromkonzerne nicht auf erneuerbare Energie umsteigen wollen, dann müssen die Verbraucher sie dazu zwingen - durch den Wechsel in einen Öko-Stromtarif. So die Klimaschutz-Idee. Doch die Lage auf dem Ökostrom-Markt ist mehr als unübersichtlich.

Zwischen mehr als 100 "Ökostrom"-Tarifen haben umweltbewusste deutsche Verbraucher die Wahl. Unter den Anbietern von "grünem Strom" tummeln sich eigens zu diesem Zweck gegründete Firmen ebenso wie eine Vielzahl alteingesessener Stadtwerke, ein Umweltverband, ein Kaffeeröster und die großen deutschen Atom- und Kohlestrom-Konzerne. Ob es sich tatsächlich dabei um Strom aus erneuerbaren Quellen handelt, das wird nicht einmal nach einheitlichen Kriterien geprüft: Es gibt drei Gütesiegel - "o.k. Power", das "Grüner-Strom-Label" und die Zertifikate vom TÜV Nord, und jeder hat seine eigene Definition, was Ökostrom ist.


Selbst Umweltschützer bieten Strom an

Auf welche Art der Erzeugung setzen die einzelnen Anbieter? Sich in diesem Dschungel Orientierungshilfe bei Umwelt- oder Verbraucherschützern zu holen, könnte heikel sein, denn die meisten von ihnen mischen selbst im Ökostrom-Markt mit. Hinter dem Label "o.k. Power" stehen der Umweltverband WWF und die Verbraucherzentrale NRW, hinter dem "Grüner Strom-Label" der Naturschutzbund (Nabu), BUND, der Naturschutzring (DNR) und die Verbraucherinitiative. Greenpeace vertreibt sogar eigenen Ökostrom.

Öko-Strom vom Atom- und Kohle-Konzern?

Wasserkraftwerk Hengstey; Rechte:WDR/Eckenroth

Neu-Investition oder Uralt-Anlage?

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Wolfgang Irrek, Professor für Energiewirtschaft an der Hochschule Ruhr West in Bottrop, nennt einige Fragen, die wechselwillige Verbraucher ihrem künftigen Stromlieferanten stellen sollten:

"Ist der Ökostrom-Anbieter von Unternehmen unabhängig, die bislang eine nachhaltige Energiewirtschaft verhindert haben?" Mit den Verhinderern meint Irrek Konzerne wie die Düsseldorfer Eon mit ihrer Tochter "E wie einfach", die außer Atom- und Kohlestrom bundesweit gleich sieben Ökostrom-Tarife im Angebot hat. Wer vom Normal- auf einen Öko-Tarif desselben Konzerns umsteige, bleibe trotzdem dessen Kunde. Das gleiche gilt sinngemäß für die Ökotarife von Stadtwerken, an denen die Stromkonzerne beteiligt sind oder die selbst in Kohlekraftwerke investieren.


Strom einfach umetikettiert

Beispiel Wasserkraft - "sind das Wasserkraftanlagen, die tatsächlich zusätzlich entstanden sind, weil ich Ökostrom nachgefragt habe?", fragt Wolfgang Irrek. "Oder sind es Anlagen, die seit Jahrzehnten existieren?" Derselbe Wasserkraft-Strom, der früher im Mix mit Atom- und Kohlestrom verkauft wurde, wird heute oft als Ökostrom angeboten – "eine Umetikettierung".

"In welche Anlagen hat dieser Anbieter denn in den letzten Jahren investiert?" Nur wenn das Stromgeld wenigstens teilweise in den Bau neuer Windräder, Wasserkraft- oder Biomasseanlagen investiert wird, so Professor Irrek, hat der Anbieterwechsel einen Umweltnutzen.

Das Verbrauchermagazin Ökotest bewertet die Ökostrom-Zertifikate des TÜV Nord als "wenig hilfreich", weil sie offen ließen, in welche neuen Anlagen das Stromgeld investiert wird. Das Gütesiegel "o.k. Power" sei "nur eingeschränkt empfehlenswert", weil "der Druck zur Schaffung neuer Anlagen nicht sehr groß" sei. Lediglich dem "Grüner Strom-Label" in Gold könne man, so Ökotest, "weitgehend vertrauen".

Erneuerbare Energiequellen nicht automatisch umweltfreundlich

Regenwaldvernichtung auf Sumatra; Rechte:dpa

Waldvernichtung für "Ökostrom"

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Wird die Energie aus Wasserkraft oder Biomasse wirklich umweltfreundlich erzeugt? Für das Gütesiegel "o.k. Power" müssen da klare Auflagen erfüllt werden: "Wasserkraftanlagen müssen ihre ökologische Verträglichkeit hinsichtlich der Faunadurchgängigkeit nachweisen" - es muss also Fischtreppen oder Ähnliches geben, damit Tiere Staudämme überwinden können. Und Strom aus Biomasse "ist nur zulässig, wenn die Brennstoffe aus zertifiziertem Öko-Anbau" stammen. Unter dem Gütesiegel "o.k. Power" ist also kein Etikettenschwindel mit Strom aus Palmöl möglich, für dessen Gewinnung im großen Stil Regenwald vernichtet wird.

Der TÜV stellt keine solchen Kriterien.

Das "Grüner-Strom-Label" fordert bei Wasserkraft keine, bei Biomasse nur recht vage Umweltkriterien. "Da müsste man noch mal drangehen", bekennt Nabu-Aktivist Dietmar Oehliger.


Strom-Sparen ist am besten

Welches Gütesiegel den Ökostrom schmückt, das sei aber auch nicht allein entscheidend, sagt Wissenschaftler Irrek. "Es gibt Ökostromprodukte mit Zertifikat, die nicht gut sind, und Produkte ohne Zertifikat, die gut sind". Der Verbraucher solle am besten den Empfehlungen der Umweltbewegung folgen, wie sie zum Beispiel in deren Stromwechselkampagnen gegeben werden.

A propos: Der Stromwechsel sei "ein Signal" an die Atom- und Kohlelobby, erinnert Irrek. Ob er das Klima auch direkt entlastet, "das weiß man als Verbraucher nicht 100prozentig verlässlich." Fazit: "Die grünste Kilowattstunde ist die eingesparte."






Kommentare 

Bisherige Beiträge

Mixer vor 129 Woche(n)
Also mir ist es vollkommen egal was für Strom aus der Steckdose kommt. Ich interressiere mich für den Preis und finde es dreist dass ich an jeder Ecke eine Ökoabgabe zahlen muss nur, weil ich in Deutschland lebe. Ich finde wer Öko haben will soll selber dafür zahlen und nicht andere dazu zwingen, für seine eigenen Interressen zu blechen. Ein gewisses ökologisches Bewusstsein sollte jeder haben und das kann dann jeder für sich umsetzen. Aber so wie hier ist es Ausbäuterei durch die Ökolobby. Ich sage nur Tunnelbau für Lurche....Aber für bedürftige Menschen ist nichts da...Beschämend ist sowas und für mich vollkommen unverständlich.
tommytom vor 129 Woche(n)
Wasserkraft wird übrigens mit nahezu dem gleichen Aufwand zu Strom wie Windkraft, Kohlekraft - nämlich mit Generatoren an denen Schaufelräder (=Turbinen) sind. Bei Windkraft braucht es einen Mast, bei Wsserkraft & Kohle ein Kraftwerk mit Turbinen etc. pp. da wo es brauchbare Staumauern gibt und es genug Zufluss gibt, da ist Wasserkraft super öko. Aber welches Tal ist so hässlich, dass man es fluten würde samt mordsaufwändiger Staumauererrichtung. Bei Solarstrom wird auch gern vergessen, dass das Panel zwar eine aufwändige (wenn auch vergleichsweise energiesparende und umweltschonende) Herstellung erfordert, aber fortan für nahezu ewig Strom liefert (und Dächer/Fassaden schützt oder gar ersetzt) ... und das geräuschlos, Schattenspendend und bei Bedarf netzunabhängig. Die richtige Technologie für den richten Zweck&Ort - so wird ein Schuh draus. Und zwar einer, den man danach nicht 100.000 Jahre bewachen, umlagern, für Abermilliarden "rückbauen" und vor Terroristen schützen muss.
tommytom vor 129 Woche(n)
richtigen Ökostrom jenseits der fiesen fetten Milliardenscheffelnden und Politik verbiegenden Konzerne gibt es nahezu nur bei EWS Schönau. Zeitsynchron, soweit möglich jenseits der von der Atomlobby instrumentalisierten Strombörse kaufend und bürgereigen - sprich: in genossenschaftlicher Trägerschaft
Patriot vor 129 Woche(n)
Der Ökostrom treibt viele Blüten, manchmal seltsame. Wenn Lebensmittel vergoren werden für Ökostromgewinnung während noch viele Menschen verhungern müssen nur weil es subventioniert wird, dann sage ich der Wahnsinn hat Methode. Es ist doch so das die meisten Bemühungen nur auf teueren Subventionen beruhen. Also wirtschaftlich unrentabel. Wenn sich die Politiker mit Subventionen ihre angeblich weiße Weste reinwaschen wollen dann ist dieses Waschpulver zu teuer. Wie der sogenannte Ökostrom. Unsere Vorfahren haben aus der Not heraus ökologisch und logisch gehandelt. Und wir. Wir sagen Öko, meinen aber Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit. Aber auch Scharfsinn würde nichts nützen weil nicht wir entscheiden sondern gekaufte Marionetten. Die Lobbyisten bestimmen immer noch, wie im Mittelalter.
Thorsten vor 129 Woche(n)
EWS Schönau, 100% Öko, nix umetikettiert.
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