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Germanwatch Kurzfilm ist für den Viral Video Award nominiert

Die Rechnung bezahlen die anderen

Von Simone Maurer

Der Germanwatch-Kurzfilm "Die Rechnung" mit Benno Fürmann wirbt für einen nachhaltigen Lebensstil und ein faires Abkommen beim Klimagipfel in Kopenhagen. Der Film ist für den "Viral Video Award 2009" nominiert, der am Freitag (06.11.09) in Berlin vergeben wird.

Benno Fürmann; Rechte:Germanwatch e.V.

Promi-Besetzung: Benno Fürmann

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Schwellenländer wie China und Indien, deren Wirtschaft expandiert und in denen ständig neue riesige Kohlekraftwerke an Netz gehen, sind schnell als Klimasünder ausgemacht. Die wenigsten aber kehren vor der eigenen Haustür - und denken über die persönliche Lebensweise nach. Menschen für den Klimaschutz zu sensibilisieren, ist nicht einfach. Der Organisation Germanwatch mit Sitz in Bonn ist das auf provokative Art gelungen. Ironisch und stark überzeichnet hält der prominent besetzte Kurzfilm "Die Rechnung" dem Zuschauer den Spiegel vor. Der Film von Regisseur Peter Wedel ist einer von drei Preisträgern des Germanwatch-Drehbuchswettbewerbs 2008/2009 zum Thema Klimagerechtigkeit.


Großstädter mit CO2-intensivem Lebensstil

Schauspieler Benno Fürmann spielt in dem vierminütigen Streifen einen Großstädter mit CO2-intensivem Lebensstil. Mit seinen beiden Freunden (gespielt von Bjarne Mädel und Christoph Tomanek) trifft er sich abends zum Bier in der Kneipe und palavert über dicke Autos, Golfen in der Wüste und argentinische Bio-Rindersteaks. In Sätzen wie "ich bin schon einmal mit dem Klapprad zur Arbeit gefahren" oder "das Wochenende auf Mallorca, kost' ja fast gar nichts mehr", finden sich die Zuschauer schnell wieder. Am Ende präsentiert die Kellnerin (Ina Paule Klink) die Rechnung - nicht für die Biere, sondern für die angehäuften Klimasünden. Bezahlen aber müssen die anderen.


Blick für die Relationen schärfen

Der Film zeigt, wie die Industrienationen auf Kosten der Schwellen- und Entwicklungsländer leben. Gleichzeitig werden zentrale Themen angesprochen, bei denen Klimaschutz im Alltag ansetzen kann. Es geht etwa um die Urlaubsplanung und den Nutzen von Energiesparlampen und Ökostrom. Der Film zeigt aber auch deutlich, wie mangelnder Wille, etwas zu ändern oder schlicht Bequemlichkeit, in anderen Ländern große Schäden verursachen können. "Der verhungerte Eisbär auf der Scholle und überflutete Dörfer sind traurige Bilder, aber sie sind viel zu weit weg von uns. Der Billig-Flug nach Mallorca und der Fleischkonsum betrifft uns viel mehr und unterstreicht die Absurdität vieler Dinge, die wir tun", sagt Regisseur Peter Wedel.


Szene aus dem Kurzfilm

Klima-Sünden kommen auf den Tisch

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Idee entstand in der Kneipe

Wedel schrieb zusammen mit Heiner Rosch und Dirk Wenzel das Drehbuch. Die Idee mit der Klimarechnung der Kellnerin kam dem Trio ganz klassisch in der Kneipe beim Nachdenken. "Der Film sollte witzig sein, aber auch provozieren. Wir wollen damit ein 'bisken' die Welt verändern und den ein oder anderen dazu bewegen, etwas zu ändern", sagt er. Der Ruhrgebiets-Dialekt dringt beim gebürtigen Duisburger nach zehn Jahren in Berlin noch immer durch. Schauspieler Benno Fürmann las das Drehbuch und war sofort begeistert. Er und die anderen Schauspieler verzichteten auf ihre Gagen und unterstützten das Projekt. Ganz vorbildlich ist Fürmann mit dem Fahrrad ans Set geradelt und abends wieder nach Hause. "Die Qualität des Films wird durch die Schauspieler bestimmt. Sie machen die drei Minuten Reden lebendig und spannend. Das ist für mich als Regisseur wichtig", sagt Wedel - und der Erfolg gibt ihm Recht.


50.000 Klicks bei Youtube

Kurz nachdem der Film auf der Internetplattform Youtube veröffentlicht und über diverse Netzwerke verlinkt wurde, schnellten die Klicks für die deutsche und englische Version auf 50.000. "Wir gehen davon aus, dass nicht nur die klassischen Umwelt- und Klimaschützer sich den Film ansehen. Wir haben von vielen Seiten Rückmeldung bekommen, auch von Akteuren, die nicht klassisch in der Klima- und Umweltpolitik aktiv sind. Der Film trifft einen bestimmten Ton, der auch über Deutschland hinaus kommunizierbar ist. Die virale Verbreitung über das Internet zeigt, dass man damit neue Wege gehen kann", sagt der Germanwatch-Projektleiter Sven Harmeling. Die französische Untertitelung ist in Arbeit. Aus dem Ausland gab es Anfragen, die englische Filmversion ins Arabische zu übersetzen oder mit chinesischen Untertiteln zu versehen. Das Goethe-Institut plant außerdem im kommenden Jahr eine DVD zum Thema Klimaveränderung, zu dem auch der Germanwatch-Beitrag zählt.


Nominiert für den Viral Video Award

Im Vorfeld der Klimakonferenz von Kopenhagen im Dezember 2009 wird "Die Rechnung" ab 12. November bundesweit als Vorfilm in den Multiplex-Kinos und in einigen Programmkinos gezeigt. "Wir hoffen, dass dadurch in Deutschland nochmals ein wenig Sensibilität für die Thematik geweckt wird. In Sachen Klimaschutz haben wir nach wie vor genug Hausaufgaben zu Hause in Deutschland zu machen", unterstreicht Sven Harmeling. Dazu trägt auch die Nominierung für den "Viral Video Award 2009" bei. Der Publikumspreis wird am Freitagabend (06.11.09) im Rahmen des 25. Internationalen Kurzfilmfestivals in Berlin vergeben. Nur zu gerne würden die Macher den Preis in den Händen halten. Die Auszeichnung und die damit verbundene Aufmerksamkeit würden die Forderung nach einem nachhaltigen Lebensstil und die Notwendigkeit, im Dezember 2009 ein faires Klimaabkommen in Kopenhagen zu verabschieden, nochmals unterstreichen.


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Stand: 05.11.2009, 02:00 Uhr


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