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Energetische Sanierung alter und denkmalgeschützter Gebäude

Ein Gotteshaus wird zum Passivhaus

Von Ingo Wagner

Eine Kirche verbraucht viel Heizenergie. Eine gute Wärmedämmung ergibt da durchaus Sinn. Doch wie lässt sich ein Gotteshaus in ein Passivhaus verwandeln, ohne seinen historischen Charakter zu gefährden? In Heinsberg tüftelt man an einer Lösung.

Verantwortlich für diese Lösung ist Ludwig Rongen, Architekt und Professor für Baukonstruktionslehre an der Fachhochschule Erfurt. Seine Aufgabe ist es, die evangelische Christuskirche in Heinsberg zu einem Passivhaus zu machen. "Ein Passivhaus ist so definiert, dass es keine Heizung braucht, weil die Heizlast so gering ist, dass die Körperwärme der Bewohner die Räume auf komfortable Temperaturen bringt", erklärt Rongen. Bei der Christuskirche funktioniert das zwar nicht ganz so, weil ja nicht immer Menschen in der Kirche sind. Es muss in geringem Umfang über die Lüftungsanlage geheizt werden. Im Prinzip aber erfüllt das Gotteshaus alle Vorgaben eines Passivhauses.


Kritik an der Sanierung alter Gebäude

Nun ist die energetische Sanierung alter Gebäude in Deutschland nichts Ungewöhnliches. Besonders wird das Projekt in Heinsberg dadurch, dass die Fassade der Kirche komplett erhalten bleibt. Kritiker werfen Stadtplanern und Architekten immer wieder vor, dass bestehende Gebäude durch umfassende energetische Sanierungen ihren Charakter verlören. Bei großflächigen Sanierungen ganzer Häuserzeilen oder ganzer Stadtviertel werde das Gesicht der Städte irreparabel beschädigt. Geschehen kann das zum Beispiel dann, wenn, wie häufig bei solchen energetischen Sanierungen, Wärmeverbundsysteme eingesetzt werden. Danach bleiben nur noch verputzte Fassaden übrig. Bei Städten wie Hamburg oder in vielen Kommunen Niedersachsens, in denen zum Beispiel Klinkerfassaden Tradition sind, wäre das ein erheblicher Verlust an Baukultur.


Erhaltung der historischen Bausubstanz

Kirche von innen; Rechte:WDR/Wagner

Die Innenwände werden verkleidet

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Dass es auch anders geht, soll jetzt mit der Christuskirche bewiesen werden. Die Dämmung erfolgt ausschließlich von innen. Architekt Rongen und seine Mitarbeiter müssen allerdings besonders sorgfältig vorgehen, um das gleiche Ergebnis wie bei herkömmlichen Passivhäusern zu erreichen. Für die Dämmung der Wände der alten Kirche wird Zellulose eingesetzt, also Papier. Sie ist zwanzig Zentimeter dick – das reicht, um kaum noch Wärme nach außen dringen zu lassen. Die Kirchenfenster bleiben erhalten. Damit aber auch bei ihnen die notwendige Dämmwirkung erreicht wird, werden zusätzliche Fenster, so genannte Kastenfenster, davor gebaut. Sie haben eine Dreifachverglasung mit einer Edelgasfüllung – so geht auch durch die Fenster nur noch wenig Wärme verloren.


Deutlich reduzierter Energieverbrauch

Die Christuskirche wird nach Abschluss des Projektes rund sechzig Prozent weniger Energie verbrauchen. Dadurch sollen sich die hohen Investitionen von 1,3 Millionen Euro in sieben bis zehn Jahren amortisiert haben. Finanziert wird die Sanierung mit Geldern der Kirche, Spenden und Fördermitteln. Im März des kommenden Jahres, zum sechzigsten Geburtstag der Christuskirche, soll die Sanierung abgeschlossen sein.


Von der "Passivkirche" sollen aber nicht nur die Heinsberger profitieren. Der Umbau wird als Modell für die energetische Erneuerung alter, denkmalgeschützter Gebäude dienen. Das Passivhaus Institut in Darmstadt arbeitet nach dem Vorbild dieser Kirche entsprechende Kriterien aus, erklärt Architekt Rongen: "Wer dann später ein Zertifikat für sein Passivhaus haben möchte, der muss sich danach richten. Es wird sicherlich auch viele Fördermaßnahmen geben, bei denen die Geldgeber zur Bedingung machen, dass diese Standards eingehalten werden."





Kommentare 

Bisherige Beiträge

Ht. Basile vor 43 Woche(n)
Meiner Meinung nach ist der Umbau der Christuskirche ein sinnvolles und beachtenswertes Projekt, welches unterstützt werden sollte. Der Klimawandel schreitet immer weiter voran, doch dies scheint keiner wirklich realisiert zu haben. Mit der Sarnierung der Heinsberger Christuskirche wächst die Hoffnung, die Erderwärmung ein wenig zu verlangsamen. Und dieser Funke an Hoffnung sollte gefördert und respektiert werden.
Harry Hirsch vor 44 Woche(n)
Die Definition für ein Passivhaus ist so falsch! Es gibt verschiedene Randbedingungen die zu erfüllen sind. So muss z.B. der Endenergiebedarf für Heizwärme unter 15 kWh/m² liegen. Weiteres siehe Passivhausinstitut. Dies bedingt einer zuführung von Heizenergie. Weitere Punkte sind zu hinterfragen siehe Joschí und die 20 cm Innendämmung! Ich möchte gerne den Feuchtenachweis für diese Außenwand sehen! Vielleicht klappt es, es wird aber sehr schwierig und ist nicht ungefährlich für die Ziegel. hh P.S.: Gerhard warum gehen die Menschen nicht in die Kirche => Sie haben wohl gewichtige Gründe. Die habe ich auch! Warum gehen andere in Moscheen => Die müssen die Gründe noch herausfinden warum sie da eigentlich nicht hingehen sollten. Schau Dir die Ammies an, die gehen auch in die Kirchen => Die müssen die Gründe auch noch herausfinden
Karl vor 44 Woche(n)
Besser volle Moscheen als leere Kirchen. Die braucht man dann auch nicht zu heizen.
Rudi vor 44 Woche(n)
Ich finde mehr Moscheen gut.
Heinsberger vor 44 Woche(n)
Ich finde es gut, was da passiert!
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