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Interview mit Professor Uwe Schneidewind

Präsident für Übermorgen-Themen

Professor Uwe Schneidewind wird neuer Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Zu seinem Antritt verdoppelt das Land NRW den Etat des Instituts, das die nachhaltige Entwicklung erforscht. Ein Gespräch über die Zukunft der Zukunftsforschung.

Schneidewind hatte zuletzt den Lehrstuhl Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg inne, die er von 2004 bis 2008 auch als Präsident geleitet hat. Der 43-jährige Wirtschaftswissenschaftler promovierte und habilitierte an der Universität St.Gallen.


WDR.de: Ab ersten März sind Sie offiziell Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Das Institut liegt im Verantwortungsbereich des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Innovation und Wissenschaft. Wie viel Politik steckt hinter einer solchen Personalentscheidung?


Professor Uwe Schneidewind: Es ist die Berufung an die Spitze eines wissenschaftlichen Instituts, insofern ist das ein wissenschaftlich geleiteter Prozess. Es gab eine Berufungskommission, die besetzt war mit Wissenschaftlern aus dem Institut, aus der Wuppertaler Universität und aus weiteren Forschungseinrichtungen in ganz Nordrhein-Westfalen. Es ging darum jemanden zu finden, der in das wissenschaftliche Profil passt. Es ist keine politische Berufung, auch wenn die Studien, die das Wuppertal Institut erstellt, Auswirkungen auf politische Entscheidungen haben.


WDR.de: Das Wuppertal Institut kümmert sich um die Zukunftsfragen unserer Gesellschaft, wie sieht die Zukunft des Instituts aus?


Schneidewind: Das Institut ist gut aufgestellt. Es hat einen hohen Drittmittel Anteil. Von den rund zehn Millionen Euro Umsatz sind acht Millionen aus Drittmitteln, das zeigt, wie nachgefragt die Expertise des Instituts ist. In den kommenden Jahren geht es darum, den Kurs weiter fortzusetzen und die Stärken auszuspielen. Also die verschiedenen Perspektiven, die wir vereinen. Denn wir machen nicht nur Klima- und Energieforschung, sondern auch Stoff- und Ressourcenforschung. Das alles fließt immer stärker zusammen. Es geht nicht nur um den Strom der Zukunft, sondern beispielsweise auch um die Rohstoffe für Batterien.


WDR.de: Sie kommen selbst aus den Wirtschaftswissenschaften. Wie wird das ihre Arbeit als Präsident prägen?


Schneidewind:Ökologische Veränderungsprozesse haben heute eine ganz erhebliche ökonomische Dimension. Ich bin von Haus aus Managementwissenschaftler und hoffe, meine Kenntnisse aus dem Bereich mit der starken technischen und naturwissenschaftlichen Kompetenz des Institutes zusammenzubringen.


WDR.de: Wie sehen Sie ihre persönliche Zukunft als Präsident - welche Schwerpunkte wollen Sie setzen?


; Rechte:

Zusammenspiel zwischen Forschung und Politik

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Schneidewind: Mein Schwerpunkt ist die Transformation, die Forschung der ökonomischen, politischen und gesellschaftlichen Übergänge für eine ökologischere Welt. Denn es gibt nicht einfach einen politischen Hebel, den man umlegen kann. Wir haben das wieder beim Klimagipfel in Kopenhagen gemerkt. Es bedarf eines intelligenten Zusammenspiels von Politik, Unternehmen und Verbrauchern. Darum geht es in der Transformations-Forschung. Ihre Rolle im Wuppertal Institut weiter auszubauen, wird für mich persönlich ein wichtiges Ziel sein.


WDR.de: Für Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sind Sie eine "exzellente Wahl, um die Vernetzung des Instituts im In- und Ausland voranzutreiben". Wie international muss ein deutsches Institut in der Zukunft aufgestellt sein?


Schneidewind: Wir entwickeln in Deutschland viele Lösungen, die global von zentraler Bedeutung sind. Das Wuppertal Institut hat jetzt beispielsweise ein großes Projekt, bei dem es um Energieeffizienz in solch großen Schwellenländern wie China und Indien geht. Die Frage, welche Technologien diese Länder einsetzen, wird sich entscheidend auf die CO2-Bilanz in der Atmosphäre auswirken. Da haben wir Know-how, das international überall gefragt ist.


WDR.de: Sie bekommen zum Einstand gleich eine kräftige Etaterhöhung. Wissenschaftsminister Pinkwart will die Grundfinanzierung des Instituts auf vier Millionen Euro bis zum Jahr 2012 anheben. Wohin fließt das Geld


Schneidewind: In Zeiten äußerst angespannter Haushaltslagen ist das ein gewaltiger Motivationsschub für das ganze Institut. Wir wollen die Stellung des Instituts in drei Bereichen ausbauen. Erstens soll es eine engere Vernetzung mit der klassischen Grundlagen-Wissenschaft an den Hochschulen geben. Dann sollen Freiräume geschaffen werden, für Übermorgen-Themen. Also Themen, für die es jetzt noch keine Drittmittelgeber gibt, aber von denen wir wissen, dass sie sich entwickeln werden. Drittens soll die Internationalisierung stärker vorangetrieben werden.

WDR.de: Präsident des Wuppertal Institut zu sein - was bedeutet das für ihre private Zukunft?


Schneidewind: Wir werden unseren Lebensmittelpunkt in die Region verlagern. Das ist immer ein herausfordernder Spagat aufgrund der Berufstätigkeit meiner Ehefrau und den Kindern. Wir sind aber Nordrhein-Westfalen und freuen uns, wieder ins Heimatland zurück zu kommen.

Das Gespräch führte Jenna Günnewig.






01.03.2010


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