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Fernsehsendung Freitag, 20. April 2012

Menschen hautnah

14.15 - 15.00 Uhr, WDR Fernsehen Videotext für Hörgeschädigte

Papa allein zu Haus - Väter mit Doppelbelastung

Das Crash-Programm mit drei oder vier Kindern hat Licht und Schattenseiten. Die Kinder sind selbstständig und werden nicht übermäßig verwöhnt, müssen aber auch auf einiges verzichten. Besonders die Töchter vermissen irgendwann den weiblichen Gesprächspartner. Und auch an den Vätern geht die Multibelastung nicht spurlos vorbei, selbst wenn "der Laden läuft".


Holger kann inzwischen beides: mit einem Affenzahn Kartoffeln schälen, ein aufgeschlagenes Knie verarzten, den Angestellten seiner kleinen Softwarefirma per Telefon den richtigen Rat geben und einen Kundenbesuch am Nachmittag verabreden. Der Mann hat vier Kinder, ist geschieden und muss alles unter einen Hut bekommen: Kinder, Beruf, Haushalt.

Genau wie Michael, Bauingenieur aus Paderborn, Witwer mit drei Töchtern. Mittags eilt er schnell nach Hause, kocht, beaufsichtigt Hausaufgaben und rennt dann wieder zurück ins Büro. Sein Arbeitgeber unterstützt ihn mit flexiblen Arbeitszeiten, trotzdem ist er oft am Rande seiner Kräfte.

Dirk, aus Dortmund, hat vier Kinder, ist allein erziehend und macht den Spagat zwischen Tagesmutter und Beruf. Abends fallen sie alle todmüde ins Bett.

Wie kriegen Männer Vollzeitjob im Schichtbetrieb, Kinder und Haushalt unter einen Hut? Keiner hat daran gedacht, zu Hause zu bleiben. Aussetzen beim ersten Kind, später halbtags wieder einsteigen, Kind zum Sport und Musikunterricht fahren, einkaufen usw. ist nicht das, was sie für ihr Leben eingeplant hätten. Meist sind sie in die Situation hineingeraten: Die Frau starb, hat sie plötzlich verlassen, ist krank, die Ehe ist gescheitert.

Väter sind nicht weniger erholungsbedürftig als Mütter, deshalb gibt es jetzt auch "Vater und Kind"-Kuren auf Norderney. Aber die Hemmungen der Väter, am Arbeitsplatz eine Kur zu beantragen, sind groß - nicht ohne Grund: "Wir finanzieren keinen Urlaub", muss sich mancher sagen lassen. Doch die Zeiten ändern sich. Mittags im Entspannungskurs sieht man jetzt auch Männer auf Socken, die Arme und Beine hin und her schwingen und danach die Augen zur Entspannung schließen. Vorher sind sie am Strand gejoggt und im April in die vier Grad kalte Nordsee gesprungen. Die Kinder haben die Väter noch nie so gesehen.

Zurück zu Haus versuchen alle, ein wenig von der Entspannung hinüberzuretten in den Alltag. Wenn es mal wieder ganz dick kommt und das Tohuwabohu zu groß wird, atmen die Väter tief durch, versuchen ruhig zu werden, so wie sie es geübt haben. "Ich habe gar nicht gewusst, wie kaputt ich war", sagt Holger, der IT-Mann. Alle versuchen, jetzt auch mal an sich zu denken, damit sie weiter über die Runden kommen.

Film von: Rita Knobel-Ulrich
(NDR-Übernahme)

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