Freitag, 17. Februar 2012
Dokumentation
"Buddenbrooks? Thomas Mann? - so etwas lesen wir nicht." Das hatte sich Heinrich Breloer in den 1950er Jahren von seiner Deutschlehrerin sagen lassen müssen, als Schüler am katholischen Gymnasium Canisianum in Lüdinghausen.
Ein halbes Jahrhundert später - und in Anwesenheit des Bundespräsidenten - erlebt seine Neuverfilmung der "Buddenbrooks" eine glanzvolle Kinopremiere. Das sagt schon einiges, könnte aber auch Zufall sein. Dass es kein Zufall war, zeigt Leben und Werk des Filmemachers Heinrich Breloer eindrücklich. "Persönliche Erfahrung und ästhetische Abstraktion" - so lautet im Untertitel die Dissertation, mit der Breloer 1976 an der Universität Hamburg promoviert wird. Das könnte über beidem stehen.
"Ich wollte das Land kennen lernen, in dem ich lebe" - sagt Breloer. Das Porträt folgt ihm dabei und zeichnet mit ihm und seinen Filmen die wichtigsten Stationen seines Lebenswegs nach. In Hamburg dreht er seine ersten Dokumentationen für den NDR, 1982 mit "Das Beil von Wandsbek" sein erstes Dokudrama. Das Unbehagen gegenüber den Verkürzungen fernsehmedialer Vermittlung führt ihn und seinen langjährigen Ko-Autor Horst Königstein zur offenen Form des Dokudramas, das die Überzeugungskraft dokumentarischer Filmbilder mit der Dramatik fiktionaler Gestaltung verbindet.
Die Auswahl der Schlüsselfiguren seiner Filme ist nicht zufällig: Rainer Barschel ("Die Staatskanzlei", 1989), Herbert Wehner ("Wehner. Die unerzählte Geschichte.", 1993), Björn Engholm ("Einmal Macht und zurück", 1994), Hans Martin Schleyer ("Todesspiel", 1997), die Familie Mann ("Die Manns - Ein Jahrhundertroman", 2001), Albert Speer ("Speer und Er", 2004). Nie geht es ihm nur darum, im Biografischen zu erzählen. Vielmehr geht es darum, Brüche im Verhalten von Menschen aufzudecken, den Zwiespalt der menschlichen Seele zu offenbaren, bisher Verborgenes zu Tage zu fördern.
Breloer hat ganze Generationen neu an Zeitgeschichte interessiert. Er hat Legenden widerlegt, gängige Sichtweisen korrigiert und mit seinen Dokudramen ein Format entwickelt, das den Begriff der Fernsehspezifik meisterhaft legitimiert. Mit seinen Filmen mischt er sich ein in die inneren Angelegenheiten des Landes. Den Auftrag des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens nimmt er persönlich, seine Filme berühren den Lebensnerv der Bundesrepublik Deutschland - herausragend und einzigartig in der deutschen Fernsehgeschichte.
Mit der Neuverfilmung der "Buddenbrooks" (Zweiteiler, Deutschland 2008) erfüllte sich für Heinrich Breloer ein lang gehegter Traum. Hier ist er ganz nah bei Thomas Mann - und ganz bei sich selbst.
Film von: Inga Wolfram
Redaktion: Sabine Rollberg
Erstsendung: ARTE/WDR: 19.12.1010
Themen: Medien
Dienstag, 14. Februar 2012, ab 23.10 Uhr, WDR Fernsehen
Zum 70. Geburtstag von Heinrich Breloer wiederholt der WDR einen der wichtigsten Filme des renommierten Regisseurs: "Wehner - Die unerzählte Geschichte: Hotel Lux" aus dem Jahr 1993, der mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden ist.
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Freitag, 17. Februar 2012, ab 12.05 Uhr, Scala, WDR 5
Heinrich Breloer gilt als Meister des Doku-Dramas. Der vielfache Grimme-Preisträger versteht es wie kein Zweiter, fiktionale Spielszenen mit Interviews und dokumentarischen Filmelementen zu verbinden. "Offene Form" nennt er diese Mischung aus Spiel- und Dokumentarfilm, die zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen wurde. Deutsche Polit- und Literaturgeschichte durch diese raffinierten Montagen erlebbar zu machen, ist das Lebensthema des akribischen Spurensuchers und Geschichtenerzählers.
"Scala" spricht mit Heinrich Breloer über seine Arbeit und seine Methode des suchenden Fernsehens.
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17. und 24. Februar 2012, 2. und 4. März 2012,
jeweils ab 23.30 Uhr, ARD: Das Erste
Heinrich Breloers Filmprojekt über den deutschen Architekten, Rüstungsminister, Kriegsverbrecher, Spandauer Gefangenen und Bestsellerautor Albert Speer ist eine weit ausgreifende biografische Erzählung. In gegenseitiger Kontrastierung und Spiegelung von Fakten und Selbstäußerungen, von filmischer Rekonstruktion und Vergegenwärtigung wird auch und gerade die Seite Albert Speers und seiner Rolle im dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte angegangen, die nur mit Skrupeln darstellbar ist ...
Für Lehrerinnen und Lehrer gibt es hier
Unterrichtsmaterial zum Download [PDF]
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Düsterer kann eine Familiengeschichte kaum ausfallen: Das stolze Patriziergeschlecht der Buddenbrooks, im Getreidehandel zu Geld und Macht gelangt, wird binnen dreier Generationen fast vollständig ausgelöscht. Lange zögert Thomas Manns Verleger, bevor er das Buch 1901 in den Druck gibt, doch Kritik wie Leser sind schnell begeistert. Nur in Lübeck, wo der Roman spielt, fühlt man sich von der bedrückenden Verfallsgeschichte beleidigt. Ob zu Recht oder nicht - diese Frage führt direkt hinein in die Geheimnisse der Mann'schen Schreibwerkstatt.
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