Samstag, 13. März 2010
tag7
"Wir haben an unserer Schule schon genug Probleme. Eine Schülerin mit einem Down-Syndrom wäre da eine zu große Zumutung", sagte eine Schuldirektorin den Eltern von Paula Sander. Das war nicht die einzige Absage.
Nach der UN-Behindertenrechtskonvention darf eine Behinderung kein Grund sein, einen Menschen auszuschließen. An der Umsetzung arbeitet der deutsche Gesetzgeber noch. So besuchen in NRW nur 16 Prozent aller behinderten Kinder und Jugendlichen eine integrative Schule. 106.950 Schüler sind mit ihrer Behinderung auf so genannten "Förderschulen", wo sie nach Handicaps sortiert unter sich bleiben.
Tina Sander, die Mutter der kleinen Paula, will ihre Tochter deshalb nicht auf eine Sonderschule schicken: "Wie soll sie denn dort lernen, mit dem wirklichen Problemen des alltäglichen Lebens umzugehen?" Genauso denkt Laura Duarte. Gemeinsam mit ihrem Mann kämpft auch sie dafür, dass ihr Sohn Ernesto, der ebenfalls das Down-Syndrom hat, eine Regelschule besuchen kann: "Nur an einer normalen Schule im Kontakt zu Kindern ohne Behinderung kann mein Sohn lernen, sich in dieser Gesellschaft zurechtzufinden."
"tag7" hat beide Familien ein Jahr lang bei ihrer Suche nach einem "integrativen" Schulplatz begleitet. Ein Jahr, in dem die Eltern mit dem Gedanken an die Einschulung ihres Kindes abends ins Bett gehen und morgens wieder aufstehen. Und eines Tages stehen sich Paula und Ernesto sogar als Konkurrenten gegenüber - um einen der wenigen Plätze in einer integrativen Schule in NRW.
Reportage mit: Cornelia Uebel, Yüksel Ugurlu
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