Sonntag, 14. Februar 2010
Reportage
Schon zwei Tage nach der verheerenden Naturkatastrophe in Haiti war ein Ärzte-Team aus Deutschland vor Ort, geschickt von der Hilfsorganisation Humedica. Im Minutentakt werden seither schwerste Operationen auf Gartentischen und einfachen Holzplatten gemeistert, etwas anderes hat das furchtbare Erdbeben nicht übriggelassen. Inzwischen sind Verstärkung und neue Hilfsgüter eingetroffen. Dr. Wolfgang Riske aus Meinersen bei Hannover ist der "Katastrophenprofi" der medizinischen Helfer. Der Allgemeinmediziner war schon in nahezu allen Krisengebieten dieser Welt. Doch Haiti ist auch für den erfahrenen Mann eine neue, dramatische Erfahrung und die bisher größte Herausforderung.
"Jede Infrastruktur ist komplett zerstört. Eine staatliche Ordnungs fehlt völlig. Auf den Straßen herrscht das Recht des Stärkeren. Und überall sterben die Menschen", stellt Wolfgang Riske fest. In dem Wissen, keine andere Wahl zu haben, stürzen sich die deutschen Helfer in die Arbeit. Sie operieren und behandeln, sie kämpfen um jedes Leben. "Mich erschüttern die vielen Amputationen", gibt selbst der Profi Riske zu. Zu oft hat er erleben müssen, dass die mangelhafte Erstversorgung harmloser Verletzungen nun gravierende Folgen mit sich bringt: Wundinfektionen, die nur noch durch Totalamputation zu behandeln sind.
Und so kämpfen die deutschen Helfer gegen Verhältnisse, die auch die Erfahrenen, die schon alles gesehen zu haben glaubten, erschüttern. Umso mehr trifft es natürlich die Neuen im Team. "Für die jungen Kollegen ist es besonders hart, echtes Elend zu sehen", sagt Riske. Und nach dem Dienst auftanken, auch das ist nicht möglich. Die Verpflegung und die Unterkunft der Helfer ist kaum besser als die der Einheimischen. Da selbst das Wasser rationiert wird, ist man froh, wenn man genug zu trinken hat, an Waschen ist nicht zu denken. Und so versorgen die Deutschen bei 31 Grad den ganzen Tag Verletzte und liegen dann mit 18 Leuten in einem Zimmer in Schlafsäcken auf Isomatten.
Film von: Michael Höft
Ein Beitrag von NDR/WDR
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Geplante Ausstrahlung in Phoenix:
Montag, 22. Februar 2010, ab 13.30 und ab 18.00 Uhr.
Themen: Gesundheit, Länder/Völker
Die internationale Hilfe für die Überlebenden ist angerollt, auch aus NRW. Doch das ganze Ausmaß der Katastrophe wird erst nach und nach klar. Inzwischen spricht die Regierung von bis zu 180.000 Toten. - Beiträge von WDR.de zum Thema