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Sie sind die unbekannte Besatzungsmacht der Nachkriegszeit: die Belgier. Wenn vom Leben der Deutschen unter fremder Herrschaft die Rede ist, werden sie oft nicht einmal genannt. Anders in weiten Teilen des Rheinlands und Westfalens. Hier gehörten die belgischen Soldaten – zunächst als Besatzer, dann als in Deutschland stationierte NATO-Truppen – mit ihren Familien fast sechzig Jahre lang zum Alltag.
Nach Deutschland gekommen sind die belgischen Einheiten mit dem Vormarsch der alliierten Verbände Anfang 1945, geblieben sind sie bis zum Jahre 2005. Im besiegten Deutschland wird aus den kleinen Verbänden eine reguläre Armee – eine Besatzungsarmee. Unter dem Oberkommando der Briten erhält Belgien eine eigene Besatzungszone – von Aachen bis Paderborn erstreckt sich das belgische Besatzungsgebiet wie ein breiter Streifen; das gesamte linke Rheinufer wäre den Belgier lieber gewesen. Von Anfang an kommt es zu Kontakten mit der einheimischen Bevölkerung: Belgische Offiziersfamilien erhalten Wohnraum in deutschen Häusern, und jede Familie muss mindestens ein deutsches Dienstmädchen beschäftigen, um Arbeit im ausgebombten Westen zu schaffen. Auf beiden Seiten sind es vor allem die Kinder, die es schaffen, sich schnell über den Graben an Misstrauen hinwegzusetzen.
Mit jedem Tag in Deutschland baut die belgische Armee ihre Infrastruktur für die Besatzungstruppen aus. Diese Welt ist nur für die Belgier bestimmt. Schulen, Krankenhäuser, Kirchen, Kindergärten, eigene Wohnsiedlungen, Waren- und Supermärkte werden an den einzelnen Standorten eingerichtet, Klein-Belgien am Rhein und in Westfalen. Trotz der Abschottungsversuche entstehen im Laufe der Jahre rund um alle Kasernen Freundschaften zwischen Deutschen und Belgiern, oftmals befeuert durch die deutsche Neugier auf belgische Fritten oder die Lust auf die köstlichen Pralinen. Zwar wird noch 1949 der Versuch, die Heirat zwischen belgischen Soldaten und deutschen Frauen endlich wie bei den Briten zu tolerieren, von der Armeeführung abgelehnt. Doch 1951 lockert der Ministerrat in Brüssel das Kontaktverbot und erlaubt Eheschließungen.
Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Belgier in NRW, das Leben ihrer Gemeinschaft und die Beziehungen zu den Deutschen zwischen Kriegsende und Abzug. Belgische Besatzungssoldaten und ihre Familienmitglieder, deutsch-belgische Ehepaare der ersten Generation und deutsche Nachbarn der belgischen Siedlungen erinnern sich und machen klar, dass von dieser Geschichte weit mehr übrig geblieben ist als nur „Pommes und Pralinen“.
Redaktion: Beate Schlanstein
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