23.02.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Frau Mikich vor dem Monitor-LogoHomepage des WDR

Nr. 627

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Monitor Nr. 627 vom 27.10.2011

Mogelpackung:

Der Hebel des Euro-Rettungsfonds



Video der Sendung

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Bericht: Christof Schneider, Andreas Orth, Sascha Adamek

Sonia Seymour Mikich: "Gipfelthema Hebel. Der gigantische Euro-Rettungsschirm bekommt mehr Schlagkraft, er wird "gehebelt", eine Art wundersamer Geldvermehrung. Aber die Risiken vermehren sich auch, und am Ende garantieren wir Steuerzahler für dieses komplizierte Instrument. Sind jetzt zumindest die Investoren beruhigt? Die sind doch dringend gesucht, um die Euro-Krise wirklich zu beenden. Das vertiefen jetzt Christof Schneider und Andreas Orth."

Der Aufklärer kam morgens, als es noch dunkel war. Eingeladen von den Skeptikern sollte Professor Harald Hau kurz vor der Abstimmung über den Rettungsschirm im Bundestag den Regierungsfraktionen den sogenannten Hebel erklären, über den sie wenige Stunden später abstimmen sollten.

Harald Hau, Wirtschaftswissenschaftler Uni Genf Rechte: WDR Bild vergrößern

Harald Hau, Uni Genf

Harald Hau, Wirtschaftswissenschaftler Uni Genf: "Wir haben ja gestern - zum Teil in englischer Sprache - extrem schwierig und kompliziert Unterlagen bekommen, die schlecht übersetzt waren, total unverständlich sind für den allgemeinen Volksvertreter. Und meine Aufgabe ist erst einmal, ein bisschen Aufklärung darüber zu betreiben."

Hau wusste, die große Mehrheit der Abgeordneten war schon von der Kanzlerin auf den Hebel eingenordet worden. Doch der Wirtschaftsexperte wollte die Abgeordneten warnen. Denn er glaubt, sie sind sich der wirklichen Risiken nicht bewusst. Auf dem Papier klingt ja alles so schön. Mit 20 % Kapitaleinsatz wollen die Euro-Länder weitere 80 % bei privaten Investoren heben. Fällt eine Staatsanleihe aus, bürgen die Euroländer für die ersten 20 % Verlust. Kaufanreiz für Investoren. Vierfache Hebelung heißt vierfaches Risiko, sagt Hau. 211 Milliarden Steuergelder wären schnell weg.

Harald Hau, Wirtschaftswissenschaftler Uni Genf: "Die Hebelung bewirkt eigentlich, dass ein Teilausfall zum Totalausfall wird."

Reporter: "Sprich 211 Milliarden."

Harald Hau, Wirtschaftswissenschaftler Uni Genf: "Bis zur Obergrenze."

Doch gibt es sie überhaupt, die Investoren, die solche Anleihen verschuldeter Euro-Staaten kaufen wollen? Der Ökonom Sonny Kapoor hat lange für die Investmentbank Lehmann Brothers gearbeitet. Er kennt sich aus am Markt und glaubt, dass Investoren wenig Interesse an solchen Papieren haben.

Sonny Kapoor, Ökonom Rechte: WDR Bild vergrößern

Sonny Kapoor, Ökonom

Sonny Kapoor, Ökonom (Übersetzung MONITOR): "Die Tatsache, dass sie in Brüssel eine politische Vereinbarung getroffen haben, ist ein gutes politisches Signal und verschafft Zeit. Aber als finanzpolitisches Instrument ist das Ganze nicht viel wert."

Deutliche Zurückhaltung auch bei boomenden und finanzstarken Schwellenländern wie Brasilien und China. Peking begrüßte die Brüsseler Entscheidung, zeigte aber bisher noch keinerlei Kaufinteresse. Und noch ein Risiko hat der Hebel. Selbst er könnte zu klein sein. Beispiel Italien. Spitzt sich dort die Krise zu, wird der Hebel zum Schleudersitz für den Euro.

Harald Hau, Wirtschaftswissenschaftler Uni Genf: "Es ist durchaus möglich, dass der Rettungsschirm scheitert in der Finanzierung. Jedenfalls in der vorgesehenen Hebelung. Was dann natürlich im Endeffekt bedeutet, dass wir andere Lösungen finden müssen, dass möglicherweise die Obergrenze von 210 Milliarden oder 211 Milliarden auch infrage gestellt wird."

Reporter: "Sprich, der deutsche Steuerzahler wird mehr zahlen."

Harald Hau, Wirtschaftswissenschaftler Uni Genf: "Es kann durchaus kommen, und der Druck ... das ist sogar wahrscheinlich, dass der Druck zum noch weiteren Haftungen für den deutschen Steuerzahler entsteht, besonders wenn der Hebel scheitert."

Doch die Mehrheit der Abgeordneten in Berlin hörte nicht auf ihn und andere Warner. Das Ergebnis ist bekannt. Finanzexperte Hau ist pessimistisch. Er geht davon aus, dass der Hebel scheitern wird. Und dann drohe eine weitere Staatsfinanzierung über die europäische Zentralbank. Die EZB als Gelddruckmaschine. Die Inflation lässt grüßen.

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    01.03.201221:45 - 22:15 Uhrim Ersten

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