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Rückschau
Sendung vom 14.05.2009Monitor Nr. 593 vom
Bericht: Kim Otto, Markus Schmidt, Markus Zeidler
Sonia Mikich: "Er würde sich schämen, Hilfe vom Staat anzunehmen. Ja doch, Josef Ackermann war selbstbewusst genug, auf staatliche Schutzschirme für die Deutsche Bank zu verzichten. Und es stimmt ja, direkte Finanzspritzen brauchte Ackermann auch gar nicht, er ist geschickt genug, auf anderen Wegen von Steuermilliarden zu profitieren. Markus Schmidt, Markus Zeidler und Kim Otto haben erlebt, wie sich eine Mauer des Schweigens auftürmt, wenn man rund um die Deutsche Bank und die Steuermilliarden einfach Transparenz einfordert. Wer zahlt, muss doch wohl etwas wissen dürfen? Ja, schauen Sie mal!"
Volker Wissing will Aufklärung. Gerhard Schick ebenso. Zwei
Bundestagsabgeordnete auf dem Weg in den
HRE-Untersuchungsausschuss. Beide interessiert, welche Rolle
spielten die Deutsche Bank und ihr Chef Josef Ackermann bei der
Rettung von Krisenbanken wie der HRE.
Volker Wissing, FDP,
Bundestagsabgeordneter: "Es gab auf höchster Ebene Gespräche
über die Rettung der Hypo Real Estate. An diesen Gesprächen soll
auch Herr Ackermann beteiligt gewesen sein und in dieser Situation
ist es für das Parlament wichtig zu erfahren, welche eigenen
Interessen die Deutsche Bank dort vertreten hat."
Gerhard Schick, Bündnis 90/Die Grünen,
Bundestagsabgeordneter: "Ich habe den Verdacht, dass sich
die Deutsche Bank im Zuge dieser Rettungsmaßnahme für die
Bankenbranche, zum Beispiel IKB oder Hypo Real Estate zulasten von
Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern saniert hat. Und das müssen wir
jetzt im Untersuchungsausschuss untersuchen."
Die Deutsche Bank als heimlicher Profiteur der staatlichen
Milliarden-Hilfen? Auf Staatshilfe sei er nicht angewiesen,
verkündet Josef Ackermann seit Monaten. Wie zum Beweis liefert er
jetzt - mitten in der Krise - glänzende Erfolgszahlen.
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzender
Deutsche Bank (vom 28. April 2009): "Wir haben ein
Vorsteuerergebnis von 1,8 Milliarden Euro und ein
Nachsteuerergebnis von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet. "
Josef Ackermann im Off-Ton: "Wir sind
in der größten Krise ohne Staat durchgekommen."
Tatsächlich ganz ohne Staat? Direkte Hilfszahlungen brauchte die
Deutsche Bank bislang in der Tat nicht. Die direkten
Steuermilliarden fallen anderen zu. Den Krisenbanken, wie HRE und
IKB. Sie bleiben nur dank Staatshilfen zahlungsfähig. Wer aber
profitiert sonst noch, dass Pleiten verhindert werden und die
Gläubiger weiter ihr Geld bekommen? Und wer sind die wichtigsten
Gläubiger? Die Deutsche Bank, wie viele Abgeordnete jetzt vermuten?
Wir fragen nach bei der Deutschen Bank. Die Antwort:
Zitat: " Die Deutsche Bank veröffentlicht grundsätzlich
keine Details zu Kundenbeziehungen."
Rückblende 2008. Schieflage bei der HRE. Es ist Deutsche Bank-Chef
Josef Ackermann, der sich massiv stark macht für eine staatliche
Rettung der HRE. Selbstlos war das nicht, sagen Banken-Experten.
Denn mit der HRE wäre vermutlich der Markt für Pfandbriefe
zusammengebrochen, Hunderte von Milliarden schwer.
Prof. Thomas Heidorn,
Banken-Experte: "Dies hätte zum Beispiel die Deutsche Bank
in zwei Arten getroffen: Einerseits sind sie der größte Händler in
diesem Bereich, sodass ein Zusammenbrechen des Marktes natürlich
ausgesprochen negativ wäre. Zweitens haben fast alle Banken größere
Bestände in diesen Wertpapieren und weiterer Abschreibungsbedarf
wäre in der Krise wahrscheinlich tödlich gewesen."
Mitte 2007: die Mittelstandsbank IKB vor dem Kollaps. Wieder war es
Josef Ackermann, der nach Staatshilfe rief. Zuvor hatte seine Bank
der IKB genau die Finanzpapiere vermittelt, die ihr die
Riesenverluste bescherten. Der Bundesrechungshof - oberster
Kontrolleur der Verwendung von Steuergeldern: Er wollte prüfen, er
durfte nicht.
Andreas Krull, Pressesprecher
Bundesrechnungshof: "Wir hätten gerne in die IKB, in die
Bücher der IKB geguckt. Das war uns aber verwehrt. Die IKB ist eine
privatrechtlich organisierte Bank, keine Mehrheitsbeteiligung des
Bundes, sodass wir trotz der Steuergelder, die dorthin geflossen
sind, nicht prüfen konnten, was damit passiert ist."
Auf den Weg in den Untersuchungsausschuss. Auch die Abgeordneten
Schick und Wissing fordern Transparenz. Sie haben parlamentarische
Anfragen an die Regierung geschrieben, in den Fach-Ausschüssen
nachgehakt. Doch die Regierung blockt, beruft sich auf das Aktien-
und Kreditwesen-Recht.
Zitate aus den Antworten der Regierung: Die
Bundesregierung könne sich "über die Interessen der beteiligten
Unternehmen nicht hinwegsetzen." Es sei nicht möglich, die
Gläubiger-Struktur [der HRE] bekanntzugeben.
Reporter: "Es geht um den
Banken-Rettungsplan für die HRE. Warum erfahren wir nichts über die
Gläubiger-Struktur der HRE?"
Peer Steinbrück, SPD,
Bundesfinanzminister: "Ich weiß nicht, was Sie mit dieser
Frage von mir jetzt wissen wollen, mit der Gläubiger-Struktur, das
ist weitestgehend im Streubesitz und im Zweifelsfall müssen Sie
Herrn Flowers fragen, wer Family and Friends sind. Das können Sie
mich doch nicht fragen, ich weiß das doch gar nicht."
Eigentlich hatten wir nach den Gläubigern gefragt, also denen, die
Geld von der HRE bekommen, nicht nach den Eigentümern. Wir haken
nach. Nun versteht uns der Minister:
Reporter: "Doch, weil das
Finanzministerium angefragt worden ist, von den
Abgeordneten."
Peer Steinbrück, SPD,
Bundesfinanzminister: "Ich nicht, ich nicht. Und bevor Sie
für irgendein Fernseh-Magazin versuchen, etwas zu dramatisieren,
erkundigen Sie sich bei mir im Hause. Ich weiß, wie so was läuft.
Sie überfallen mich immer gerne damit, senden Sie das auch, das ist
dieser Überfall-Journalismus. Sie haben eine ganz schlimme Frage
und haben den Eindruck, da sind irgendwelche Verschwörungen, sind
sie nicht."
Die Frage nach Transparenz - eine "ganz schlimme“ Frage von
Verschwörungstheoretikern?
Volker Wissing, FDP,
Bundestagsabgeordneter: "Das sind völlig abwegige Äußerungen
des Bundesfinanzministers. Es geht hier nicht darum, irgendwelche
Theorien zu entwickeln, sondern es geht darum, dass die
Steuerzahlerinnen und Steuerzahler die Fakten auf dem Tisch haben
wollen; wollen wissen, wer alles von diesen Banken-Rettungspaketen
in welcher Form profitiert."
Prof. Hans-Peter Schwintowski,
Humboldt-Universität Berlin: "Wenn man über die Frage
nachdenkt, ob der Hinweis darauf, wir sind ja zur Verschwiegenheit
verpflichtet, nach vielen Gesetzen, ob das juristisch eigentlich
haltbar ist? Dann würde ich sagen, nein, das ist juristisch nicht
haltbar, denn der Steuerzahler, der ja hier die großen
Unterstützungsgelder zahlt, wird durch das Zahlen dieser Gelder zum
Gesellschafter bei den Banken, die er unterstützt. Das ist auch
sonst so. Und wenn man Gesellschafter ist, hat man natürlich
Auskunfts-, Einsicht- und Mitbestimmungsrechte."
Wir schauen in die USA. Auch hier fließen hunderte von Milliarden
an Steuergeldern, um Banken und Versicherungen zu retten. Allein
150 Milliarden US-Dollar für den Versicherungskonzern AIG. Senat
und Kongress wollten das nicht einfach abnicken.
Christopher J. Dodd, US-Senator
(Übersetzung MONITOR): "Der Steuerzahler hat das Recht zu
erfahren, wen er tatsächlich unterstützt und wer wieviel bekommen
hat."
Die AIG musste dem Druck nachgeben und offenlegen, wohin die
Steuergelder der US-Bürger geflossen sind. Einer der größten
Empfänger: die Deutsche Bank - mit brutto 11,8 Milliarden Dollar;
gut abgesichert. Steuermilliarden aus den USA - zum Wohle der
Aktionäre? Zurück nach Berlin. Mehrere Stunden tagte der
Untersuchungsausschuss heute. Antworten auf die entscheidenden
Fragen bekamen die Abgeordneten auch diesmal nicht.
Monitor - weitere Informationen zur Sendung
24.05.201221:45 - 22:15 Uhrim Ersten
Donnerstag, 24.05.2012
23:30 Uhr - tagesschau24
Freitag, 25.05.2012
05:00 Uhr - ARD
08:35 Uhr - RBB
20:15 Uhr - EinsExtra
Samstag, 26.05.2012
08:20 Uhr - WDR

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