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Rückblick
Stauffenberg - Mythos und WirklichkeitBericht: Florian Opitz, Georg Restle
Sonia Mikich: "Der 20. Juli erfüllt für die Bundesrepublik einen ganz besonderen Zweck: Er steht für das andere, moralisch integre Deutschland. Am 20. Juli 1944 haben Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter mit einem Attentat versucht, Hitler zu stürzen. Bald ist der 60. Jahrestag des Attentats und in Artikeln, Filmberichten und Fernsehserien wird an den Widerstand um Stauffenberg erinnert. So auch demnächst in der dreiteiligen ARD-Reihe "Offiziere gegen Hitler". Geschichte wird meist in schwarz-weiß geschrieben. Dort die Schurken, hier die Guten. Uns haben trotzdem die Grautöne interessiert und wir sind fündig geworden. Einige Offiziere des 20. Juli haben den Nationalsozialismus nicht nur begrüßt und bis zum Krieg gefördert. Sie haben sich sogar aktiv an Verbrechen der Wehrmacht im Osten beteiligt. Mehr als bisher bekannt war. Florian Opitz und Georg Restle ergänzen das Bild der Widerstandshelden."
20. Juli 1944, im Führerhauptquartier Wolfsschanze scheitert ein großer Plan. Unter den Trümmern des Gebäudes liegen die Hoffnungen einer Gruppe deutscher Offiziere begraben, die mit dem Tyrannenmord an Hitler nicht nur einen Krieg beenden wollten. Bis heute steht der Name Graf von Stauffenberg für das andere Deutschland, das dem NS-Regime widerstanden hat. Hier im Bendler-Block in Berlin wurden er und seine engsten Verbündeten hingerichtet. Hier ist bis heute der Ort des Gedenkens an die Offiziere des Widerstands. Doch wer waren die Männer hinter Stauffenberg? Und stehen sie zu Recht für das andere, das bessere Deutschland? Zum Beispiel Carl Heinrich von Stülpnagel, enger Verbündeter Stauffenbergs und einer der führenden Köpfe des 20. Juli. Er diente Hitler als Oberkommandierender der 17. Armee im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.
Lemberg in Ostgalizien. Nachdem die 17. Armee hier im Sommer 41
einmarschiert ist, stachelt von Stülpnagel die Bevölkerung des
Ortes dazu auf, gegen die Juden von Lemberg mit Gewalt vorzugehen.
Ein Widerstandskämpfer als Kriegsverbrecher. Das beweist eine als
Geheime Reichssache deklarierte Meldung einer SS-Einsatzgruppe.
Darin heißt es:
"Armeeoberkommando 17 hat angeregt, zunächst die in den neu
besetzten Gebieten wohnhaften antijüdisch und antikommunistisch
eingestellten Polen zu Selbstreinigungsaktionen zu
benutzen."
Im Klartext: Ein Aufruf zur Hetzjagd auf die Juden von Lemberg.
Verantwortet von Carl Heinrich von Stülpnagel. Die Wochenschau
berichtete damals über die Vernichtungsaktion.
"Das jüdische Mordgesindel, das mit den GPU-Agenten Hand in
Hand gearbeitet hatte, wird von der empörten Menge den deutschen
Truppen zur Bestrafung ausgeliefert. Eine Grauen erregende Auslese
von Lemberger Sowjettypen: Plünderer, Marodeure, in der Hauptsache
Juden."
Von den Deutschen aufgehetzte Ukrainer und Polen jagen Juden.
4.000 Menschen werden damals innerhalb weniger Tage umgebracht.
Dr. Dieter Pohl, Institut für
Zeitgeschichte: "Stülpnagels konkrete Verantwortung liegt
darin, dass er in seinen Armeebefehlen die Gewalt gegen die Juden
gelenkt hat. Insbesondere beim Pogrom von Lemberg."
Film-Aufnahmen einer Massenerschießung jüdischer Männer in
Lettland. Auch die SS-Einsatzgruppen, die von Stülpnagel zugeordnet
waren, führen solche Erschießungen durch – noch während des
Judenpogroms von Lemberg. Von Stülpnagels Armee und die
Mordkommandos der SS arbeiten Hand in Hand.
Prof. Hans Mommsen, Historiker:
"Stülpnagel ist zweifellos einer der hohen Offiziere und
Befehlshaber, der an Rassen - Vernichtungsmaßnahmen der deutschen
Verbände teilgenommen hat oder sie unterstützt hat."
Carl Heinrich von Stülpnagel war ein Überzeugungstäter im Sinne
des NS-Regimes. Dies zeigt ein Schreiben des Generals an die
Heeresgruppe Süd vom 12. August 1941. Darin fordert er:
"Vermehrter Kampf gegen den Bolschewismus und das vor allem
in seinem Sinne wirkende internationale Judentum. Gezeichnet von
Stülpnagel."
Ein Rassenideologe als Widerstandskämpfer. Wie passt das zum Bild
des 20. Juli und seiner Helden um Graf von Stauffenberg? Ein
weiteres Beispiel: General Erich Höppner. Er sollte nach dem Putsch
Oberbefehlshaber der Armee im Deutschen Reich werden. Auch er ist
aktiv an den Verbrechen der Wehrmacht beteiligt. Am Vorabend des
Angriffs auf die Sowjetunion schwört er seine Truppe auf den
Vernichtungskrieg ein. In dem Befehl bezeichnet Höppner den Krieg
als "Kampf der Germanen gegen das Slawentum" und "Abwehr des
jüdischen Bolschewismus". Dieser Kampf müsse "in Anlage und
Durchführung von dem eisernen Willen zur erbarmungslosen, völligen
Vernichtung des Feindes getragen sein."
Dr. Johannes Hürter, Institut für
Zeitgeschichte: "Höppner hat im Frühjahr und im Sommer 1941
ohne Zweifel zur Radikalisierung dieses rassenideologischen
Vernichtungskrieges, wie Hitler ihn führen wollte, beigetragen. Aus
den verschiedenen Befehlen Höppners geht eindeutig hervor, dass er
ein sehr weitgestecktes Feindbild hatte, das sich nicht nur auf den
Soldaten der Roten Armee bezog, sondern auch auf die so genannten
Träger des jüdisch-bolschewistischen Systems. Und das konnten sehr
viele sein: Das konnten Zivilisten sein, die als Partisanen
verdächtigt wurden. Das konnten Juden sein, die ohnehin verdächtigt
wurden, Träger dieses Systems zu sein. Das konnten aber auch
versprengte Rotarmisten sein, die einfach nur nach Hause wollten
und die hinter den eigenen Linien aufgegriffen wurden."
Nach dem Einmarsch in die Sowjetunion verbreitet Höppners
Panzergruppe 4 unter dem Deckmantel der Partisanenbekämpfung Terror
unter der Zivilbevölkerung. Dabei schreckt Höppner auch nicht vor
Kriegsverbrechen zurück. In einem Schreiben vom 12. November 41
befiehlt das Oberkommando der Panzergruppe 4 seinen unterstellten
Einheiten:
"Jede Weichheit in der Partisanenbekämpfung muss schwinden.
Partisanenverdächtige Elemente sind zu erschießen und nicht an die
Gefangenensammelstelle abzuführen."
Der spätere Widerstandskämpfer Erich Höppner, Seit an Seit mit
Heinrich Himmler, dem obersten Chef der SS-Einsatzgruppen, die für
die Massenerschießungen von Juden in der Sowjetunion verantwortlich
waren.
Prof. Hans Mommsen, Historiker:
"Bei einem Mann wie Höppner war gar kein Zweifel, dass er bereit
war, mit den Sicherheitskräften, auch der Einsatzgruppen und
Einsatzkommandos, eng zusammenzuarbeiten. Weil er eben auf
derselben ideologischen Linie stand und weil er der typisch
Hitlerschen Auffassung entsprach, nur durch äußerste Härte den
Widerstand der Partisanen brechen zu können. Wobei äußerste Härte
dann bedeutete, die Liquidation von Teilen der Bevölkerung, die
Schaffung Toter Zonen, das Niederbrennen der Siedlungen."
Der gefeierte Widerstand gegen Hitler. Auch Erich Höppner und Carl
Heinrich von Stülpnagel haben ihr Leben dafür geopfert, wie viele
andere, ehrenhafte Offiziere. Wofür steht der 20. Juli heute, 60
Jahre nach dem gescheiterten Attentat?
Prof. Hans Mommsen, Historiker: "Nun
ja, die Idealisierung des Widerstandes, das heißt des anderen
Deutschlands in der Zeit nach 1948, hing natürlich sehr stark damit
zusammen, unter Berufung auf den Widerstand eine zusätzliche
Legitimation für die deutsche Staatsgründung zu erhalten. Und in
diesem Zusammenhang ist dann das Bild in mancher Hinsicht
idealisiert und verzeichnet worden."
Die Offiziere des 20. Juli starben für das Ende der NS-Diktatur in
Deutschland. Dafür werden sie zu Recht geehrt. Welchen Weg
Deutschland mit ihnen gegangen wäre, ist offen. Die Widersprüche
bleiben – auch 60 Jahre danach.
Sonia Mikich: "Das war MONITOR, wenn Sie uns sprechen oder schreiben wollen: Die Angaben sind eingeblendet. Danke für Ihr Interesse und bis zum nächsten Mal, am 22. Juli."
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24.05.201221:45 - 22:15 Uhrim Ersten
Donnerstag, 24.05.2012
23:30 Uhr - tagesschau24
Freitag, 25.05.2012
05:00 Uhr - ARD
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20:15 Uhr - EinsExtra
Samstag, 26.05.2012
08:20 Uhr - WDR

Hinweise auf Falschbehandlungen am Klinikum Hildesheim mit unnötigen Radiojodtherapien - Rhön-Klinik will 2000 Fälle von Patienten jetzt überprüfen.
Am Rhön-Klinikum Hildesheim wurden möglicherweise eine Vielzahl von Patienten falsch behandelt und geschädigt. Das berichten das ARD-Magazin MONITOR und das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.
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Sonia Seymour Mikich: "Ich weiss nicht, ob die Piraten auf lange Sicht überleben, ob sie sich etablieren, aber ihre bloße Existenz gibt uns allen gute Stichworte, den Zustand unserer Politik zu prüfen. Ich nenne das Sauerstoffkur für die müde gewordene Demokratie."
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