Dossier Arbeit
Arbeitswelten
Infolge der Hartz IV-Gesetzgebung und anderer Reformen des Arbeitsmarktes hat sich die Lebenswirklichkeit für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland radikal verändert. Notwendiges Tribut an die Globalisierung der Arbeitsmärkte oder verordnete Armut per Gesetz? Vielen Menschen reicht ihr Einkommen nicht mehr aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Am Ende ihres Arbeitslebens droht Altersarmut. MONITOR berichtet über den Alltag von Arbeitnehmern, Arbeitslosigkeit, Mobbing und Altersvorsorge. MONITOR fragt: Bleiben Werte wie Solidarität und Chancengleichheit seltsame Fremdwörter aus dem letzten Jahrhundert - oder werden sie in die Gegenwart hinübergerettet?
MONITOR vom 02.02.2012
Werkverträge: Das nächste Lohndumping-Modell der Arbeitgeber
Kaum ist die Leiharbeit durch das neue Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) zumindest etwas besser reguliert und damit für Unternehmen weniger lukrativ, da kommen Arbeitsgeber schon mit dem nächsten Billiglohn-Modell um die Ecke: Werkverträge. Sie versprechen Profit, denn teure Stammarbeitsplätze werden überflüssig, stattdessen kommt der Billigarbeiter. Von der Klassengesellschaft unter den Arbeitnehmern ganz zu schweigen. Die "Vorzüge" von Werkverträgen werden inzwischen sogar an deutschen Universitäten wissenschaftlich und fundiert propagiert, wie ein Beispiel aus Bayern zeigt. [mehr]
MONITOR vom 24.11.2011
Ausweichmanöver: Die neuen Tricks der Zeitarbeitsbranche
Die Zeitarbeit boomt, die Branche sieht sich im Aufwind - auch beim Image. Immerhin gibt es für Leiharbeiter inzwischen einen Mindestlohn und die Politik hat angekündigt, dass es künftig gleichen Lohn für gleiche Arbeit auch bei Zeitarbeitern geben soll. Doch die Branche hat längst ihre Ausweichstrategien gefunden, um das zu umgehen: So wälzen führende Zeitarbeitsunternehmen das Risiko auf ihre Angestellten ab, indem sie ihnen bei fehlenden Anschlussaufträgen einfach Minusstunden aufschreiben. Arbeitsrechtler halten das für rechtswidrig. Oder: Leiharbeiter werden im Rahmen von Werkverträgen in die Entleih-Unternehmen geschickt. So ist der Entleiher wieder jegliche Verantwortung für Arbeitsbedingungen und Bezahlung los. [mehr]
MONITOR vom 15.09.2011
Arbeiten bis zum Umfallen: wie die Regierung Altersarmut verharmlost und befördert
Es ist ein Horrorszenario, das unaufhaltsam auf Deutschland zurollt: Millionen alter Menschen werden unter der Armutsgrenze leben, und das, obwohl sie ein ganzes Leben in die Rentenkasse eingezahlt haben. Jede neue Studie bringt noch schlimmere Prognosen: 2,5 Millionen arme Alte wird es in 10 Jahren geben, in dreißig Jahren wird sogar jeder vierte Rentner betroffen sein, sagen die Wirtschaftsinstitute voraus. Die Rentenversicherung warnt vor einem Kollaps der Sozialsysteme. Und was macht Arbeitsministerin Ursula von der Leyen? Sie hat letzten Freitag vor laufenden Kameras den Beginn eines „Dialogs Rente“ ausgerufen. Neue Hilfen für Alte soll es da geben, ein Herumdoktern an den Symptomen. Den eigentlichen Grund für die Altersarmut will sie nicht beseitigen. Sie und ihre Vorgänger haben den Niedriglohnsektor derartig ausgebaut, dass kaum einer der mittlerweile über 5 Millionen Billigjobber vernünftig in die Rentenkasse einzahlen kann: Ihr Lohn reicht gerade mal zum Überleben. Viele Rentner werden deswegen in Deutschland auch im hohen Alter weiterarbeiten müssen, das sagt mittlerweile auch die OECD voraus. MONITOR über einen Realitätsverlust der politisch Verantwortlichen. [mehr]
MONITOR vom 04.08.2011
Jobwunder Deutschland: Gleiche Arbeit - halber Lohn
Der Arbeitsmarkt in Deutschland boomt, immer mehr Menschen haben Arbeit. Rund 322.000 neue Arbeitsplätze wurden im vergangenen Jahr geschaffen. Die Schattenseite dieser Entwicklung: 57% der neuen Jobs entstanden durch befristete und schlecht bezahlte Leiharbeit. Die dort gezahlten Löhne liegen meist deutlich unterhalb des Lohnniveaus von regulären Arbeitsverhältnissen. Dabei fordert die EU seit Jahren das Prinzip „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Mit einem neuen Gesetz zur Leiharbeit hat die Bundesregierung jetzt aber den Missstand weiter zementiert - auf Kosten der rund 900.000 Leiharbeiter in Deutschland. Statt „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ heißt es für viele auch zukünftig: „Gleiche Arbeit – halber Lohn“. [mehr]
MONITOR vom 16.06.2011
Doktor Arbeitsamt - Wie wissenschaftliche Mitarbeiter in die Illegalität getrieben werden
McJobs auch an den Hochschulen: Wissenschaftliche Mitarbeiter arbeiten wöchentlich meist 50 Stunden und mehr, oft auf halben Stellen. Und damit nahe am Existenzminimum. Sie erhalten den Hochschulbetrieb aufrecht - und beziehen nicht selten gleichzeitig ihr Geld vom Arbeitsamt. Denn es ist im wissenschaftlichen Betrieb üblich, sich von einem Zeitvertrag zum nächsten zu hangeln. Die dabei entstehenden Beschäftigungslücken führen in vielen Fällen zum Sozialbetrug: Wissenschaftliche Mitarbeiter, die den Hochschulbetrieb aufrechterhalten - und gleichzeitig ihr Geld vom Arbeitsamt beziehen. MONITOR zeigt, wie sie von ihren Lehrstuhlchefs in die Illegalität getrieben werden. [mehr]
MONITOR vom 27.01.2011
Den letzten beißen die Hunde: Der neue Trend der Lohndrücker
Viele der freundlichen Paketboten, die an unseren Türen klingeln, führen täglich einen verzweifelten Kampf ums Überleben. Bezahlt nach Stückkosten, unterwegs auf eigenes Risiko, fahren sie gegen die Uhr, ohne Alterssicherung, oft ohne Krankenversicherung, ohne Geld für notwendige Fahrzeug-Reparaturen. Ihre Auftraggeber können sich geschickt aus der Verantwortung stehlen - mit einem perfiden System aus Sub und Sub-Subunternehmen. Monitor hat wochenlang in der Szene recherchiert und fand ein Modell, das Schule macht und das zu einer echten Bedrohung für die Sozialkassen geworden ist. [mehr]
MONITOR vom 09.12.2010
„Von Arbeit muss man leben können“ - aber nicht im Deutschen Bundestag
Sie arbeiten an den Eingangsschleusen, im Fahrstuhl oder in der Reichstagskuppel: die Mitarbeiter privater Wach- und Sicherheitsunternehmen im Deutschen Bundestag. Viel Verantwortung, aber kaum Geld zum Leben. Ohne Tarif gab es im letzten Jahr 5,50 Euro pro Stunde. Seit Anfang des Jahres gilt ein Tariflohn von 6,25 Euro Brutto. Viele können ihren Lebensunterhalt trotz Vollzeitstelle damit nicht bestreiten. Sie müssen zusätzliche Unterstützung vom Staat beantragen. Staatliche Leistungsempfänger selbstgemacht - unter dem Dach des Deutschen Bundestages. [mehr]
MONITOR vom 19.08.2010
Leere Versprechen? Die Arbeitswirklichkeit hinter der neuen Fassade von Schlecker
Alles sollte besser werden: Nach viel öffentlichem Wirbel um Lohndrückerei und Leiharbeit beim Drogeriediscounter Schlecker gelobte das Unternehmen Besserung. Und tatsächlich: Im Juni wurden mehrere Tarifabschlüsse mit der Gewerkschaft verdi bekanntgegeben. Außerdem versprach das Unternehmen, Leiharbeiter wieder in normale Arbeitsverhältnisse zu überführen. Also alles gut in Schlecker-Land? MONITOR-Recherchen zeichnen ein anderes Bild der neuen Arbeitswirklichkeit bei Schlecker. Die Autoren trafen Mitarbeiter, die noch immer unter Tarif bezahlt werden und die darüber klagen, dass Überstunden nicht ausbezahlt werden. Die schöne neue Schleckerwelt - für viele Beschäftigte offenbar mehr Schein als Sein. [mehr]
MONITOR von 20.05.2010
Gute Arbeit für wenig Geld: Wie Beschäftigungsmaßnahmen reguläre Jobs verdrängen
Die Idee klingt gut: Langzeitarbeitslose sollen wieder eine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt bekommen. Das ist erklärtes Ziel unzähliger Eingliederungs- und Beschäftigungsmaßnahmen, für die der Staat jedes Jahr Milliarden zahlt. Doch längst ist dadurch ein paralleler, staatlich subventionierter Arbeitsmarkt entstanden. Da zimmern Langzeitarbeitslose Dachstühle für Luxuswohnungen und Ein-Euro-Jobber arbeiten in Supermärkten. Wann ist öffentlich Förderung von Arbeit sinnvoll und wann verdrängt sie reguläre Jobs? [mehr]